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Bio-Special Bio-Fast-Food

Gesund essen und das mit wenig Zeit: Bio-Fast-Food erobert Schnellrestaurants und Imbissstände. Wir haben uns den Trend angeschaut.

Sandwiches

Helle Naturholztische, lindgrüne Sitzpolster, dazwischen erfrischend echte Pflanzen – beim Betreten des „Supergood“ mitten in Berlin kommt nicht einen Moment der Gedanke an ein Schnellrestaurant auf. Alles strahlt Natürlichkeit aus. Das soll es auch, denn hier geht es um ein ganz neues gastronomisches Konzept, um Fast Food in Bio-Qualität. Ob Berlin oder Köln – in vielen deutschen Großstädten findet man inzwischen Restaurants und Imbissstände, die zwei Komponenten verbinden wollen: schnell und biologisch.

Bio im Eiltempo

Hier können Sie gutes Bio-Fast-Food mal probieren:

  • „WakuWaku“
    Schauenburgerstraße 55, 20095 Hamburg
    waku-waku.eu
  • „Supergood“
    Friedrichstraße 103, 10117 Berlin
    supergood.com
  • „Table“
    Römerberg 6 a, 60311 Frankfurt
    table-schirn.com
  • „Greeny’s“
    Tal 42, 80331 München
    greenysfood.com

Ein Mann mit Laptop bestellt am Tresen des Bio-Restaurants in der Friedrichstraße einen vegetarischen Burger mit Getreidebratling und setzt sich entspannt an einen der Tische. Fünf Minuten später ist die Bestellung abholbereit, ebenso die Tomaten-Pasta der jungen Frau vom Nachbartisch. Und, wie schmeckt’s? Frisch, knackig, aromatisch und mit tollem Eigengeschmack aller Zutaten, sagen die Besucher.

 

Recycelte Möbel, ökologischer Strom und schneller Service
Auch im „WakuWaku“ (japanisch: überraschend) neben dem Hamburger Rathaus geht es superschnell. Aber statt eines natürlich angehauchten Grüns herrscht bei dieser Inneneinrichtung Pinkviolett vor – lösungsmittelfrei natürlich und auf Wasserbasis. Nachhaltigkeit wird in diesem Fast-Food-Restaurant überhaupt großgeschrieben: Der Strom ist ökologisch. Die Gäste sitzen auf recycelten Stühlen, die ersteigert und aufgearbeitet wurden. In den Lampen stecken Sparbirnen, der Handtrockner auf dem WC verbraucht kaum Energie, und die T-Shirts der Mitarbeiter sind aus fair gehandelter Baumwolle. Das Geheimnis für den blitzschnellen Service ist hier die Zubereitung: Alle Gerichte wie Currywurst oder Thai-Gemüse werden vitaminschonend im Wok gegart. Die Preise sind durch die verwendeten Bio-Zutaten höher als in vergleichbaren konventionellen Restaurants: Eine Kokos-Suppe kostet hier zum Beispiel etwa 6 Euro.

Ob es an den Preisen lag, an zu hohen Gewinnerwartungen oder an Managementfehlern, dass zwei Bio-Fast-Food-Restaurants in deutschen Großstädten nach knapp drei Jahren wieder schließen mussten, bleibt ungeklärt. Fakt ist: Ihr Kundenstamm war einfach nicht groß genug. Dabei liegt die grüne Küche laut Stefanie Heckel, Pressesprecherin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes, voll im Trend. „Frische, Gesundheit und Natürlichkeit sind Grundlagen vieler neuer Gastronomiekonzepte“, erklärt sie.

 

Verantwortungsvoll genießen und die Qualität hinterfragen
Auch Hanni Rützler, Trendforscherin beim „Zukunftsinstitut“ in Kelkheim, sagt: „Es ist kein Wunder, dass Bio zunehmend als eigenes Thema von den Gastronomen aufgegriffen wird. Kein Unternehmen kann es sich erlauben, den Megatrend Neo-Ökologie aus den Augen zu verlieren. Umwelt-, klima- und ,soft health‘-bewusste Konsumenten legen Wert auf beste Ausgangsprodukte und leichte, frische Zubereitung. Im Alltag haben sie keine Lust und Zeit für ein längeres mehrgängiges Mittagessen.“ In der umfassenden Studie „Food-Styles“ des „Zukunftsinstituts“ (zukunftsinstitut.de) stellt sie den typischen Ernährungstyp für den Bio-Fast-Food-Bereich so dar: Der sogenannte „Prot-Esstler“ ist ein verantwortungsbewusster Genießer, der gern und gut isst – aber seine Nahrungsmittel hinterfragt. Produkte werden, soweit es möglich ist, je nach Saison eingekauft und dann vorzugsweise aus der Region. Er kocht gern abends und am Wochenende selbst. Aber unter der Woche schätzt er Convenience in Bio-Qualität und „Fast-Good-Food“ wie Bio-Burger oder Sandwiches mit Zutaten, die von lokalen Produzenten stammen.

 

Gesund und abwechslungsreich, ohne auf Fleisch zu verzichten
Wenig Zeit und trotzdem ökologisch korrekt – das ist auch für die Kunden von Heinz Knickrehm wichtig. Er steht mit seinem Imbiss-Bistro seit neun Jahren auf Hamburger Wochenmärkten. In auffälligen Lettern prangt das Wort Bio über all seinen Gerichten. Wer hier eine Currywurst mit Pommes bestellt, weiß, dass sie Demeter-Qualität hat, und zahlt dafür mit 5,10 Euro etwa 1,50 Euro mehr als beim konventionellen Kollegen ein paar Stände weiter. „Ich ernähre mich nicht ausschließlich bio“, sagt eine etwa 35 Jahre alte Kundin, „aber Fleisch sollte für mich schon ökologisch erzeugt sein.“

Fleisch spielt gerade beim Griff zu Bio-Lebensmitteln eine wichtige Rolle. Kathrin Möntenich hält es deshalb auf ihrer Speisekarte für unverzichtbar. Die ehemalige Managerin eröffnete 2008 in Köln das erste Bio-Fast-Food-Restaurant. Im „Pick-a-pea“ serviert sie neben frischen Salaten, Wraps und saisonalen Suppen auch Fleischgerichte. „Wer seine Karte rein vegetarisch auslegt, schließt zu viele Kunden – vor allem Männer – aus“, sagt sie. Für ihr Konzept hat sie bereits über 30 Franchise-Anfragen, die ihr Bio-Fast-Food-System gern in anderen Städten übernehmen würden.

 

Mehr Nachhaltigkeit im hektischen Alltag
Etwa 94 Prozent aller Verbraucher kaufen zumindest gelegentlich Bio-Lebensmittel und unterstützen damit die eigene Gesundheit sowie die Umwelt. Bio-Fast-Food steckt zwar noch in den Kinderschuhen, aber mit etwas Unterstützung könnte es sich in großen Schritten entwickeln. Denn: Neue Schnellrestaurants mit spannenden Fast-Food-Konzepten gibt es genug. Und es klingt doch verlockend, sich frisch, biologisch und gesund – kurz: nachhaltig – zu ernähren, wenn die Zeit knapp ist.