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Geschmacksschule Das schmeckt mir. Aber warum eigentlich?

Was wir mögen, entscheidet sich schon im Mutterleib und während der ersten Monate unseres Lebens. Später lernen wir auch andere Geschmacksrichtungen schätzen – und können unsere Zunge und den Gaumen ständig weiterschulen. Viel Spaß und guten Appetit!

Pfannkuchen, Spaghetti mit Tomatensoße, Gulasch mit Rotkohl: Fast jeder Mensch hat sein Lieblingsgericht. Und wer was mag, entscheidet sich früh – im Mutterleib. Dr. Kathrin Ohla vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam: „Schon in der Schwangerschaft sammelt das Baby erste geschmackliche Erfahrungen, denn die mütterliche Ernährung beeinflusst das Fruchtwasser.“ 

 

Du isst, was du bist

Nach der Geburt weisen alle Babys zunächst die gleiche Vorliebe auf: Sie mögen es süß. Das entspringt ihrem Überlebenstrieb, Muttermilch schmeckt hauptsächlich süß. Doch daneben enthält sie auch andere Aromen und Geschmäcker, ebenfalls beeinflusst durch die Ernährung der Mutter. Nach dem Übergang zu Brei-Mahlzeiten kommt im besten Fall häufig Selbstgekochtes auf den Tisch. Hausgemachte Breie schmecken von Mahlzeit zu Mahlzeit unterschiedlich – im Gegensatz zu industrieller Gläschenkost. Wer die ganze Kindheit hindurch abwechslungsreich isst und auch exotische Speisen kostet, hat gute Chancen, später ein Feinschmecker zu werden. Aber auch wer in seinen ersten Jahren viele Fertigprodukte verspeist hat, kann seinen Geschmack weiterentwickeln. Dafür heißt es, unbekannte Speisen auf den Tisch zu bringen und sich genüsslich auf ihre Aromen zu konzentrieren. Eine sehr schöne Übung, oder?

 

Der Mix macht’s

Ob im Sterne-Restaurant oder in der Kantine: Ohne Dessert sind viele nicht wirklich zufrieden. Und nach einem Eisbecher brauchen wir unbedingt ein paar salzige Erdnüsse oder ein Käsebrot. Wie kommt das? Dr. Kathrin Ohla: „Eine plausible Erklärung für dieses Phänomen bietet die sogenannte spezifisch-sensorische Sättigung. Dabei verlieren wir schnell die Lust an einem Geschmack oder Aroma, vom dem wir bereits einiges gegessen haben. Selbst wenn wir reichlich Herzhaftes oder Salziges konsumiert haben, können wir durchaus noch Verlangen nach etwas Süßem haben und das dann auch genießen. Und andersherum. Dieser Effekt schützt uns vor dauerhaft einseitiger Ernährung und führt zu mehr Abwechslung.“ Nicht zufällig gehören im Ayurveda, der altindischen Heilkunst, zu jeder Mahlzeit alle Geschmacksrichtungen.

 

salzig - Das Salz in der Suppe

Kennen Sie das Märchen von der Königstochter, die ihrem Vater sagte, sie liebe ihn so sehr wie das Salz? Dieser fühlte sich verschaukelt und verstieß sie. Erst als ihm ein ganzes Mahl ohne Salz serviert wurde, bemerkte er seinen Fehler ... Ohne Salz können wir tatsächlich nicht leben, denn es enthält Natrium, das unser Körper dringend braucht.

 

bitter - Reiz der Gefahr

Evolutionstechnisch soll Bitterkeit uns warnen: Diese Speise ist Gift! Kosteten die Urzeitmenschen zum Beispiel von bitteren Beeren, spuckten sie diese sofort instinktiv aus und retteten so ihr Leben. Heute spielen wir gerne mit dieser „Gefahr“, denn vom Verstand her wissen wir längst, dass uns weder Chicorée­-Suppe, Kaffee noch Aperol Spritz umhauen.

 

sauer - Igitt und lecker gesund

Ebenso wie ein bitterer Geschmack schickt uns Saures eine Warnung. Nütz­ lich, sonst würden wir aus Versehen auch mal saure Milch trinken. Andererseits bringen schon Mütter ihren Kleinkindern bei, dass Saures (Zitrusfrüchte!) viele Vitamine enthält.

 

herzhaft - Kraft zum Essen

Seit ein paar Jahren darf sich dieser Geschmack in der Fachliteratur neben die anderen stellen. Eine Berei­cherung! Wie sonst sollten wir das Aroma von gebra­tenem Fleisch beschreiben? Auch ein einziges Gemüse wird dieser Geschmacks­ richtung, die offiziell „umami“ heißt, zugeordnet: Sellerie. Er macht Gemüsegerichte erst richtig rund. 

 

süß - Nahrung für die Seele

Unsere Vorliebe für Süßes saugen wir mit der (süßen) Muttermilch auf. Auch Erwachsene verbinden Naschereien unbewusst noch immer mit dem Gefühl von Liebe und Trost. Seelenmedizin also, deren Wirkung Sie sich bei Bedarf zunutze machen können.

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