Neue Bücher im Mai
Unsere stellvertretende Chefredakteurin Nicole Kleinhammer hat für Sie die Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt gelesen.-
Was vom Paradies übrig blieb
Gärten sind, wenn man sie lässt, echte Lebensgefährten. Anstrengend manchmal oder undankbar und boshaft; aber dann wieder voller Großzügigkeit, Charme und Mitgefühl“ – besser als die Schrift- stellerin Eva Demski im Vorwort dieses sinnlichen Bildbandes kann man das besondere Verhältnis zwischen Frauen und ihren Gärten kaum beschreiben. Die liebevoll ausgesuchten Gemälde zeigen Frauen, die z.B. von üppiger Vegetation umgeben in ein Buch oder in die eigenen Gedanken vertieft sind, mit Freundinnen plaudernd auf einer Terrasse sitzen oder sich der Gartenarbeit hingeben. Beim Eintauchen in die schönen Bilder wird einmal mehr deutlich, dass das Paradies direkt an der Gartentür beginnt.
Tania Schlie: „Frauen im Garten“, Thiele Verlag, 160 S., 25 Euro -
Psychothriller - hochdramatisch
Irene möchte sich lieber heute als morgen von ihrem Mann trennen. Und schafft es doch nicht. Gil will davon sowieso nichts wissen: Der Künstler braucht seine Frau als Muse, sie ist sein wichtigstes Motiv. Die beiden verbindet eine Hass- liebe, die Irene mit viel Alkohol zu kompensieren versucht. Dann bemerkt sie, dass ihr Mann ihr Tagebuch liest. Und ihr kommt eine Idee: Sie versucht über die Einträge, ihren Mann zu manipulieren. Eine perfide Strategie. Spannend!
Louise Erdrich: „Schattenfangen“, Suhrkamp, 239 Seiten, 17,90 Euro -
Kurzgeschichte - empathisch
Die Bandbreite der lesenswerten Storys reicht von einem Kater, der sich ein neues Zuhause suchen muss, bis zu Teenagern, die quasi aus Langeweile eine Boutiquebesitzerin ermorden. Es geht um eine Kindheit in den 50er-Jahren, um Frauen, die bei Atemübungen ihre innere Mitte suchen, oder Schwestern, die denselben Mann lieben. Ein sprachlicher Hochgenuss – mal ironisch, dann wieder ernst, oft herrlich schräg.
Asta Scheib: „Streusand“, Hoffmann und Campe, 126 Seiten, 15 Euro -
Hörbuch - eindringlich
Warum trifft es immer die es am wenigsten verdient haben? Diese Frage stellt ein Vater, dessen Sohn gerade an Polio gestorben ist. Auch Bucky Cantor – Hauptfigur des neuen Romans von Philip Roth – sucht darauf eine Antwort. Er ist der Sportlehrer jener jüdischen Jungs, die 1944 in Newark, New Jersey, von der schlimmen Krankheit heimgesucht werden. Wo haben sich die Kinder angesteckt? Was kann Cantor tun, um sie zu schützen? Berührendes Thema, wunderbar klare Sprache, extrem gut gelesen von Schauspieler Joachim Schönfeld.
Philip Roth: „Nemesis“, der Hörverlag, 6 CDs, vollständige Lesung, 24,95 Euro -
Wohnguide - inspirierend
„Weniger ist mehr“ – diese Parole von Mies van der Rohe gilt als Basis der klas- sischen Moderne. Wenige ausgesuchte Objekte mit starker Wirkung prägen dabei unsere Vorstellung von moderner Einrichtung. Doch modern heißt nicht nur Minimalismus, sondern beeinflusst die unterschiedlichsten Stile von mediterran über retro bis exotisch. Mit vielen Anregungen!
Powers/Richardson: „Living modern“, Knesebeck, 368 Seiten, 39,95 Euro -
Krimi - geheimnisvoll
Die Schriftstellerin Bess schreibt die ganze Nacht selbstvergessen an ihrem Roman, gegen Morgen wird sie durch ein Geräusch, das sie erst nicht einordnen kann, aufgeschreckt: ein Schuss! Ihr Mann liegt tot auf dem Parkplatz. Was ist passiert? Die Zeit danach zeigt Bess, dass sie den Mann, mit dem sie seit zehn Jahren zusammen war, kaum kannte. Eine schwangere Frau steht auf einmal vor ihrer Tür, und Bess erfährt, dass sich Halland ein Zimmer genommen hat ... Von Lachen bis Weinen – hier ist alles dabei.
Pia Juul: „Das Leben nach dem Happy End“, Dumont, 190 S., 18,99 Euro











