Lesestoff
Bücher im August
Bücher über Frauen, einen Mord und eine Bilderreise durch Indien.
-
Bildband
Schönheit liegt, so sagt man, im Auge des Betrachters. Aber die Frauen mussten sich in allen Jahrhunderten an Idealbildern messen lassen: Mal war die asketische Zurpckhaltende en Vogue, mal das üppige Barockweib, mal die Natürliche. Anhand von 60 Kunstabbildungen berichtet die Autorin, eine Kunsthistorikerin, über Moden bei Haut, Haaren, Brüsten, Augen und roten Lippen.
Das schärft den Blick für die Gemälde, spricht aber auch Bände über die jeweilige Zeit. Juliette Récamier etwa galt Ende des 18./ Anfang des 19. Jahrhunders als Sinnbild für Tugendhaftigkeit. Zu Zeiten der französischen Revolution verörperte sie den Wunsch nach Reinheit und bürgerlicher Einfachheit - ungeschminkt und kindlich.
Karin Sagner: „Schöne Frauen“, Elisabeth Sandmann Verlag, 152 Seiten, 24,95 Euro
-
Auf Traumreise
Ja, die Klischees werden bestätigt: Indien ist chaotisch, farbenfroh und wunderschön. Und ja, man sieht immer wieder Unerwartetes: Kamelreiter neben Lkws, Schamanen mit Handy. Der Autor und Fotograf Jean-Baptiste Rabouan reiste 25 Jahre durch den Subkontinent, und unterwegs erschloss sich ihm „die Seele Indiens“ immer wieder neu. Ein Buch für die Augen mit kurzen erläuternden Texten.
Jean-Baptiste Rabouan: „Die Seele Indiens“, Frederking & Thaler, 160 Seiten, 39,95 Euro -
Kochbuch
Rhabarberschnitten, Apfelkuchen, Himbeertorte: Ein Sommer ohne Obstkuchen ist keiner. Hier kommen 100 Backrezepte für Anfänger und Könner: Klassiker wie die oben erwähnten ebenso wie Neukreationen. Lieblinge der VITAL-Redaktion sind der Orangenkuchen mit marinierten Erdbeeren und der Marzipanstreuselkuchen mit Kirschen. Unbedingt probieren!
„Lust auf Land – Obst- und Blechkuchen“, Christian, 182 Seiten, 19,95 Euro -
Krimi
Heiß ist es in Venedig, die Arbeit zieht sich. Brunetti hat Zeit, sich um die Probleme von Vianellos Tante zu kümmern. Dann kommt der Commissario unlauteren Machenschaften bei Gericht auf die Spur, und schließlich geschieht ein Mord. Alles garniert mit altbekannten Zutaten: Paola kocht (Spaghetti mit frischer Paprika und Shrimps), Chiara und Raffi diskutieren über das Urlaubsziel in den kühlen Alpen. Ein Krimi wie der Besuch von Freunden: Donna Leon kann es einfach.
Donna Leon: „Auf Treu und Glauben“, Diogenes, 316 Seiten, 22,90 Euro -
Roman
Frances, die imaginäre Schwester der Autorin, ist 80 Jahre alt. Sie erzählt im Rückblick ihr Leben, geprägt von diversen Männern, ihren Töchtern und schließlich Enkelkindern. Fay Weldon schreibt lakonisch-dokumentarisch, beinahe nüchtern, und entlarvt dabei mit Witz unser Miteinander in Zeiten, in denen Beziehungen undurchschaubar werden.
Fay Weldon: „Geben und Nehmen“, Dumont, 316 Seiten, 9,99 Euro -
Roman
Der US-Schriftsteller Henry Roth (1906–1995) hatte mit seinem ersten Roman „Nenn es Schlaf“ 1934 großen Erfolg. Danach litt er sechs Jahrzehnte lang an einer Schreibblockade. Erst mit über 80 Jahren begann er wieder zu schreiben – über sein Leben, die Liebe und eben jene Schreibhemmung. Daraus entstand nach seinem Tod ein vierteiliger Zyklus, dessen letzter Teil hiermit vorliegt. Vergleichbar einem Roadmovie führt diese „Roadnovel“ quer durch Amerika und ist wunderbar leicht geschrieben.
Henry Roth: „Ein Amerikaner“, Hoffmann und Campe, 383 Seiten, 23 Euro











