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Reise Yoga auf den Andamanen

Nichts tun, nichts denken – hört sich nach purer Entspannung an, fällt aber verdammt schwer. In einem Yoga-Seminar auf den Andamanen stellte sich VITAL-Autorin Christine Mühlenhof ganz neuen Herausforderungen.

Still sitzen. Klingt einfach – ist es aber nicht. Selbst an einem Ort wie diesem: ein schlichter Holzpavillon auf Havelock Island, einer der 204 Andamanen-Inseln, die wie verlorene Puzzlestücke im Golf von Bengalen verstreut liegen, etwa 1000 Kilometer östlich von Indien.

Abgelegener geht es kaum, bezaubernder allerdings auch nicht: kilometerlange weiße Sandstrände mit türkisfarbenem Wasser treffen auf dichten Urwald, purpurrote Papageien flattern von Ast zu Ast – ein Ort, der aussieht, als hätte Robinson Crusoe ihn persönlich ausgesucht. Die perfekte Kulisse für meinen Selbstversuch: eine Woche lang bewusst nichts tun, nichts denken, den Geist völlig entleeren. Natürlich könnte ich mich dafür auch an den Strand legen, doch das wäre nichts für mich. Stattdessen habe ich mich zu einem sogenannten Yoga-Retreat (engl. für Rückzug, Einkehr) mit dem vielversprechenden Titel „Divine Paradise” (göttliches Paradies) angemeldet, das mir dabei helfen soll, äußere und innere Ruhe zu finden. Gemeinsam mit 37 anderen Neugierigen sitze ich also mit gekreuzten Beinen auf einem Kissen und warte gespannt auf den Beginn des Programms.

Kursleiter Madhukar begrüßt uns mit einem langen „Oooom“ und einem noch längeren Schweigen. „Stille ist die höchste Lehre. Wahrheit kann nicht in Worten beschrieben, aber in Stille übertragen werden“, sagt er nach einer gefühlten Ewigkeit. Sehr kryptische Sätze sind das, manche gucken verwirrt, als wären sie irgendwie auf der falschen Insel gestrandet. Und schon jetzt ist klar: Das wird kein normaler Erholungsurlaub.

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