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Workout Lauftraining mit Feldenkrais

Locker, leicht und mühelos – so kann sich Ihr Lauftraining anfühlen, wenn Sie Ihre individuellen „Bremsen“ austricksen. Z. B. mit Übungen aus dem Feldenkrais. VITAL-Autorin Michaela Rose hat’s ausprobiert und ist begeistert.

Kennen Sie das Kriechspurgefühl beim Joggen? Das Laufen ist anstrengend – irgendwie geht es nicht richtig voran, und der Spaß bleibt auf der Strecke? Oft hapert’s am Laufstil. Der Grund: Stimmen Körpervorlage, Beinarbeit oder Beckeneinsatz nicht, bremsen wir uns selber aus. Diesen „Bremsen“ können wir mit Feldenkrais auf die Schliche kommen. Per Körperübungen macht uns diese ganzheitliche Methode eingefahrene Bewegungsmuster bewusst und zeigt uns, wie wir alle Körperteile harmonisch einsetzen sollten, damit es leichter geht. Wir stellen Ihnen die besten Übungen vor, die sich ganz unkompliziert in Ihr Training integrieren lassen und mit denen Sie Ihre eigenen „Bremsen“ entdecken und lösen. Der Effekt: Sie sparen Kraft und laufen länger, schneller und entspannter – wie VITAL-Autorin Michaela Rose schon nach vier Tagen Feldenkrais-Laufseminar gemerkt hat…

 

Der Laufstil-Check zeigt unsere Handicaps „Nach dem Seminar werdet ihr nicht mehr wie bisher laufen wollen“, begrüßt uns Wim Luijpers zum Lauf-Seminar auf Rügen. Meint der Vorzeige-Athlet das als Versprechen oder als Drohung? Schließlich laufe ich ziemlich gerne… „Viele glauben, das Training bringt nur etwas, wenn es anstrengend ist, und deshalb sucht niemand die Leichtigkeit“, beruhigt Luijpers. „Bringen wir unseren Körper jedoch in einen ganzheitlichen Rhythmus, fühlt sich Laufen wie Tanzen an.“ Für diesen gefühlten Rhythmus ist vor allem Beckeneinsatz gefragt. Schwingen die Hüften beim Laufen verführerisch in einer liegenden Acht, sorgt das für den richtigen Bein-Impuls. Zudem bringt der Hüftschwung auch die Schultern schön mit der Gegenseite nach vorn. Dadurch sparen wir wertvolle Kraft (Übung 1).

Fürs perfekte Leichtlaufgefühl müssen wir dann (fast) nur noch die richtige Oberkörpervorlage erwischen. Und schon laufen wir nicht gegen die Schwerkraft, sondern nutzen sie als Vortrieb. Klingt gut. Aber laufe ich nicht längst so? Der läuferischen Selbstfindung dient zunächst ein Laufstil- Check per Video. Körperhaltung, Arm- und Beinarbeit sowie Fußaufsatz werden gefilmt und im Zeitlupentempo analysiert. Wim Luijpers findet bei jedem die persönliche „Bremse“, die das Joggen erschwert. Die meisten bremsen per Fersenaufsatz, viele machen zu große Schritte, manch einer sackt mit dem Oberkörper ein oder hält den Kopf zu tief (Übung 2).

Dem Experten-Auge entgeht nichts: Als ehemalige Sprinterin setze ich zu sehr mit der Fußspitze auf und laufe zu aufrecht. Das müssen wir ändern. Locker bleiben, lautet nun die Devise. Selbst beim frühmorgendlichen Strandläufchen. Beim Warm-up machen wir Luijper’sche Schüttelübungen, lassen Hüften und Knie kreisen (Übung 3) und werden dabei von Spaziergängern bestaunt. Auch wir staunen nicht schlecht: Denn die wichtigsten Trainingseinheiten des Seminars absolvieren wir in einem leeren Seminarraum. Hier üben wir zunächst das schnöde Gehen. Ich soll im Kreis trotten, um flotter zu laufen?„Um das leichtere Laufen zu entdecken, müssen wir mit Gewohnheiten brechen und neue Wege gehen“, beruhigt Wim Luijpers und macht uns auf Teile unseres Körpers aufmerksam, die wir bisher nicht einmal kannten.

Wir entdecken die Kunst der Bewegung

So haben wir mal einen imaginären Faden an der Stirn, der uns nach vorn zieht. Mal holen wir uns beim Abdrücken mit dem Fuß die Kraft aus einem Punkt am großen Zeh, was uns größer werden lässt. Wir springen mit und ohne Körperspannung auf der Stelle und sind verdattert, wie u viel höher wir hüpfen können, wenn wir den Atem dabei nutzen (Übung 4).

Bald rollen die Hüften, die Schultern kreisen, die Arme schwingen – wir haben das kollektive Aha-Erlebnis des beschwingten Gehens mit aufrechter Körperhaltung. Doch damit nicht genug: Dem Feldenkrais- Motto folgend, machen wir alles anders und rollen uns in seltsamen Verknotungsversuchen auf dem Boden herum. Auch bei diesen Laufübungen im Liegen geht es in erster Linie um das Hineinspüren in den Körper und das Ausprobieren, wie leicht eine Bewegung fallen kann, wenn man das richtige Drehmoment erwischt. Oberkörper etwas nach vorn, bitte! Und dann lernen wir zu Lou Begas „Mambo No. 5“ den perfekten Laufrhythmus – mit unglaublichen 180 Schritten in der Minute tänzeln wir fröhlich über den Teppich. Der flotte Beat hat einen entscheidenden Vorteil: Die Schritte werden nicht nur schneller, sondern auch kürzer, das spart Energie (Übung 5).

Funktionieren unsere neuen Bewegungsmuster denn nun auch beim Laufen? Am Strand traben wir noch langsamer als langsam und saugen, durch die Nase atmend, frische Ostseeluft ein. Suchen mit Trippelschritten unsere Fäden und Druckpunkte. Unser Coach knöpft sich dabei jeden einzeln vor und gibt Tipps gegen die „Bremsen”. Und dann der magische Moment: Wim drückt meinen Oberkörper sanft wenige Zentimeter nach vorn. Das ist es! Die Schwerkraft im Rücken, laufe ich mit meiner neuen Oberkörpervorlage auf einmal fast wie von selbst (Übung 6). Etwas ungewohnt fühlt es sich an, aber wunderbar leicht. Ich möchte nie wieder anders laufen – und gebe Gas! 
 

Info:

- Laufmethode und Seminare in Österreich, Griechenland oder Fuerteventura gibt’s unter www.wiml.at

- Das Laufseminar auf Rügen findet im artepuri Hotel „meerSinn“ vom 21. bis 24. Mai und vom 1. bis 4. Oktober statt (www.meersinn.de)

Buch-Tipp: „Bio-Running – Laufen für die Seele“, von Moana & Wim Luijpers, April 2009, 19,90 Euro 

 

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