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Bio-Special Bio-Weine aus Bordeaux

Das berühmteste Weinbaugebiet der Welt produziert auch Bio-Weine. Food-Ressortleiterin Stefanie Nickel hat sie im Bordeaux probiert.

Bordeaux

Kirschrot schimmert er im Glas, duftet intensiv nach Beeren und Holznoten. Dann folgt der fruchtige, samtige und ausgewogene Geschmack – meine Entscheidung steht nach kurzer Zeit fest: Diesen Wein mag ich! Mein schnelles Urteil bei dieser Weinprobe auf Château Pontet-Canet in der Appellation Pauillac ist natürlich rein subjektiv. Aber vielleicht spielt dabei ja eine Rolle, dass dieser Rotwein aus biologischem Anbau stammt. Nach Meinung von Monsieur Comme, dem Verwalter des wunderschönen, im 18. Jahrhundert erbauten Châteaus, spielt es das auf jeden Fall. „Durch biologischem Anbau verbessern wir unseren Wein deutlich”, sagt der quirlige Franzose stolz. „Auch wenn wir uns schon lange damit beschäftigen, ist der Anteil von Bio-Wein immer noch sehr gering”, erklärt er weiter. In Europa liegt der Marktanteil von Öko-Wein noch unter 5 Prozent. Doch immer mehr Menschen legen auch hier Wert auf Bio, wodurch sich das Angebot bei den Weinhändlern vergrößert. „Lange Zeit haben sie uns belächelt“, seufzt Alain Moueix vom Château Fonroque in Saint-Émilion.

Seit vier Generationen ist seine Familie hier. „Aber die Bedeutung unserer Weine wächst. Immer mehr renommierte Winzer schließen sich uns an.“ Sie tun es aus verschiedenen Gründen: um die Natur zu bewahren, die Arbeiter zu schützen oder mehr Geld zu verdienen. Aber ein gemeinsames Motiv haben alle: Sie wollen besseren Wein produzieren. 

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Immer mehr stellen um
Ich nehme eine Flasche Rotwein in die Hand. Auf der Rückseite klebt das kleine grüne EU-Öko-Siegel. „Wir bringen es auf die Flasche, damit jeder gleich sieht, dass der Wein bio ist”, sagt Moueix. Und im Unterschied zum Château Pontet-Canet: „Unsere Weine sollen für sich sprechen. Wir lassen uns aber zertifizieren, weil das für unsere Kunden wichtig ist”, sagt man dort.

Im Bordeaux stellen mittlerweile 280 Winzer Bio-Wein her oder sind zumindest in der dreijährigen Umstellungsphase. Neben dem normalen Öko-Anbau spielt auch der biologisch-dynamische auf der Grundlage der Anthroposophie von Rudolf Steiner eine Rolle. Beide Methoden verzichten auf chemisch-synthetische Mittel wie Pestizide, Herbizide und Fungizide. Für Schwefel zur Stabilisierung des Weines und Stickstoff für eine bessere Bodenqualität gibt es strenge Grenzwerte.

Im Bio-Anbau helfen Mineralstoffe wie Kupfer und Sulfat bei Schädlingsbefall wie dem Mehltau. Falls dem Boden Nährstoffe fehlen, wird organisch gedüngt. Gras und Blumen lassen den Weinberg erblühen und verhindern Bodenerosion. Der Boden enthält dadurch mehr Humus, was ihn lockert. Und ganz nebenbei vergrößert sich die Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren. Dass Gentechnik tabu ist, versteht sich dabei von selbst.

Diese lockeren Böden können aber nicht mit schweren Maschinen wie Traktoren befahren werden. Deshalb kommen leichte Maschinen und Pferde zum Einsatz. Doch Jean-Michel Comme, der selbst ein kleines Öko-Château besitzt, betont: „,Bio‘ heißt nicht ,Rückschritt‘. Wir besinnen uns eben auf die Ursprünge und entwickeln diese fortschrittlich weiter. Auf moderne Technik kann niemand verzichten. Denn sonst könnten wir unseren Wein weder herstellen noch vermarkten.”

Bei der Biodynamik kommen noch andere Regeln dazu, die nicht immer einen wissenschaftlich nachvollziehbaren Hintergrund haben. „Wir richten uns auch nach Mondphasen und dem Lauf der Planeten bei der Pflege und Ernte”, erklärt Moueix augenzwinkernd. „Aber die Qualität unserer Weine spricht klar für sich!”