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Sport und Öko-Essen?

Wie muss man sich eigentlich das Familienleben von VITAL-Kolumnistin Verena Carl vorstellen? Laufrunden mit einem trendigen Jogging-Buggy, Kindergeburtstag mit Tofu-Burgern? Von wegen… 

Mutter Kind

Jeden Morgen pünktlich um acht Uhr dreißig besucht mich mein schlechtes Gewissen. Und zwar immer dann, wenn ich im Kindergarten stehe und das Frühstück meiner Tochter auspacke. Auf allen anderen Plätzen bauen Mütter lachende Gesichter aus Kiwischeiben, Biobananen und Jogurts mit Dinkeleinlage. Nur auf Helens Teller sieht es aus, als wollte sich ein winziger Bauarbeiter für eine Grundsteinlegung stärken: dicke Stullen mit noch dickeren Salamischeiben. Kein Obst, nirgends. Mal ein AlibiÄpfelchen. Aber nur an sehr guten Tagen.

Meine Tochter isst nämlich grundsätzlich am liebsten Lebensmittel, bei denen Ernährungswissenschaftler japsend zum Krawattenknoten greifen. Sport? Wenn andere Kinder auf dem Klettergerüst turnen, erzählt sie ihren Sandförmchen Fortsetzungsromane von Dinosauriern und Piraten. Dabei bewegt sie sich höchstens, um sich die Mütze gegen UV-Strahlung vom Kopf zu reißen. Das könnte eine prä-prä-pubertäre Form der Rebellion sein. Aber nicht nur Helen ist eine Bewegungs-Verweigerin, der Rest meiner Familie ist keinen Deut besser.

Wenn mein Mann Roibuschtee statt Rotwein trinkt, weiß ich: Morgen ist er krank. Dierks Vorstellung von Fitness? In Internet-Foren mit anderen Mittelalter-Maniacs darüber streiten, wie die Ritter im 15. Jahrhundert ihre Duelle ausgefochten haben. Pflege? Schwamm drüber. Jede Woche beim Putzen staube ich die Gesichtscreme- Tube ab, die ich ihm 2007 gekauft habe. Dann hätten wir noch Henri. Der immerhin hält sich fit, indem er täglich gefühlte 15 Kilometer den Wohnungsflur auf und ab robbt. Aber was soll man auch sonst in seiner Freizeit machen, wenn man noch nicht mal frei sitzen kann?

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Autor:
Verena Carl