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Sarah Wiener "Gutes Essen stärkt die Seele"

Die Restaurantbesitzerin und TV-Köchin Sarah Wiener, 49, ist Verfechterin einer nachhaltigen Kochkultur. Und ein Genussmensch. Wir haben bei Ihr mal genauer nachgefragt.

Sarah Wiener

VITAL: Frau Wiener, was macht glück- licher: kochen oder essen?
Sarah Wiener:
Die Mischung macht’s: essen, was man selbst gekocht hat. Andere nähren, die man gern hat. Vor allem Frauen denken bei einer leckeren Mahlzeit gleich an die Kalorien und wie sie die wieder loswerden können. Traurig, oder? Früher sind Frauen verhungert, weil sie beim Essen benachteiligt wurden, heute kasteien sie sich, statt selbstbewusst zu ihren unterschiedlichen Körpern zu stehen. Dabei stimmt noch immer der Spruch meiner Mutter: „Aus einem Büffel wird nie eine Gazelle, höchstens ein abgemagerter Büffel.“

Haben wir unsere natürliche Beziehung zum Essen verloren?
Ja. Es ist permanent verfügbar und gleichzeitig so stark verarbeitet, dass wir nicht mehr wissen, was wir zu uns nehmen. Der natürliche Rhythmus und das Hungergefühl gehen verloren. Und dann muss Essen oft als Platzhalter herhalten: zur Belohnung, als Trost, gegen Frust. In letzter Zeit ist viel darüber diskutiert worden, wie viele Lebensmittel unnötig weggeworfen werden.

Vitale Inspiration

EINFACHE DINGE ungewöhnlich zu kombinieren und daraus eine tolle Mahlzeit zu zaubern – das ist die hohe Kunst. Sarah Wieners Tipp für ein Sommergericht: Fenchel oder Kohlrabi hauchdünn aufschneiden, mit Rapsöl und Zitronensaft beträufeln, dazu frische Petersilie, Salz, Pfeffer. Wer mag, hobelt noch ein biss- chen frischen Parmesan darüber – fertig!

Was ist Ihr Rat gegen Verschwendung?
Weniger Großeinkäufe, gezielter einkaufen. Oder bewusst mal gar nicht. Ich bleibe oft daheim und überlege, was ich mit den Resten machen kann: Eintopf aus schrumpeligen Möhren, Knödel aus altem Brot ... Als Kind waren Sie Vegetarierin, heute plädieren Sie dafür, weniger Fleisch zu essen und nur aus artgerechter Haltung.

Warum diese weniger radikale Meinung?
In der besten aller Welten gäbe es nur Vegetarier – aber es bekommt uns und unserer Umwelt schon sehr gut, wenn wir uns beschränken. Die Salami auf dem Frühstücksbrot weglassen und den Döner, einmal pro Woche eine fleischlose Hauptmahlzeit.

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