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Analog-Käse, Surimi-Garnelen und Gel-Schinken Lebensmittel-Imitaten auf der Spur

Analog-Käse, Surimi-Garnelen und Gel-Schinken – Lebensmittel-Imitate sind kaum zu erkennen. „Was wird uns da eigentlich aufgetischt?“, fragt sich VITAL-Redakteurin Imme Bohn.

Pizza

Das hatte ich mir doch anders vorgestellt. Auf meine Frage, ob das Pizzastück mit Analog-Käse überbacken sei, zuckt die Verkäuferin nur lächelnd die Schultern. Seit ich von Käse-Imitaten, Gel-Schinken und vorgetäuschten Zutaten gehört habe, kaufe ich noch bewusster ein. Wie kann es sein, dass ich statt natürlich gereiftem Käse ein Laborprodukt aus Wasser, Pflanzenfett und Milcheiweiß auf meiner Pizza habe? Ist das eigentlich erlaubt? „Ja, denn jedes Produkt, das aus Lebensmittelzutaten hergestellt ist, darf auch bei uns in den Handel“, erklärt Armin Valet von der Verbraucherzentrale in Hamburg.

Vielfalt der Täuschungen

Aber: Lebensmittel mit sogenannten Käse-Imitaten müssen für den Verbraucher klar erkennbar sein, heißt es in einer Verordnung des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Nicht ganz einfach, denn die Praxis sieht anders aus. Nach dem Wort Käse-Imitat oder Analog-Käse suche ich am Fast-Food-Stand und auf der Pizzapackung vergebens. Stattdessen stehen in der Zutatenliste: pflanzliche Fette, Milcheiweiß, Stärke und Schmelzsalze. Nur wer sich auskennt, weiß, dass sich dahinter der Kunstkäse verbirgt. Unbemerkt, weil sie eben nicht als Imitat gekennzeichnet sind, kommen so auch Gel-Schinken oder Surimi-Garnelen in den Handel. Erst bei genauem Lesen der Zutatenliste erkennt man statt hochwertigen Aufschnitts ein Gemisch aus Wasser, Geliermitteln, Eiweiß und oft nur 40 Prozent Fleischanteil. Die falschen Garnelen sind nicht mehr als gepresstes Fischmuskeleiweiß mit Bindemitteln und Zusatzstoffen. Oft sind es auch das Foto oder die Aufschrift auf der Verpackung, die falsche Vorstellungen wecken. Mit italienisch klingendem Namen verführt im Supermarktregal ein Pesto zum Kauf. Statt teurer Pinien- sind fast nur Cashewkerne verarbeitet, hochwertiges Olivenöl wurde durch Sonnenblumenöl ersetzt. Das hat mit dem italienischen Original kaum noch etwas zu tun. Nicht anders die Wasabi-Nüsse eines bekannten Snackproduzenten. Ohne den japanischen Meerrettich, dafür mit Geschmacksverstärkern und Aroma, werden sie angeboten. Etwa 2700 Aromastoffe sind in der EU zugelassen, und mit ihnen lässt sich so gut wie jeder Geschmack zaubern. Gerade mal ein Gramm Aroma reicht, um ein Kilogramm eines Lebensmittels mit Kunstgeschmack zu versehen.

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Autor:
Imme Bohn