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Essen Hamburger Gärtnerei Sannmann

Ein Artikel über die Hamburger Gärtnerei Sannmann. Seit 1986 wächst dort Bio-Gemüse an.
Hamburger Gärtnerei Sannmann

Sonnenstrahlen fallen durch das mit einem Schattennetz überzogene Glasdach. Es ist angenehm warm, die Luft ein wenig schwül. Ein erfrischender Windzug streift durch die offenen Gewächshaustüren. Hier fühlt sich die Tomatenpflanze also wohl, denke ich. Mir geht es ebenso. „Tomaten lieben den Kopf trocken und die Füße feucht“, sagt Thomas Sannmann, 54, Inhaber der gleichnamigen Gärtnerei in Hamburg.

Thomas Sannmann

Ein Bio-Gemüsehof „zum Anfassen“: Thomas Sannmann informiert Kinder und alle Interessierten bei zahllosen Events. Für sein Engagement erhielt er 2013 den Demeter-Preis „Land Wirtschaft Kultur“.

Neun Generationen Wissen

Seinen Hof habe ich als stellvertretende Ressortleiterin bewusst für die VITAL-Fotoproduktion ausgesucht. Hier wachsen massenhaft Tomaten, und gleichzeitig kann Thomas Sannmann viel über alte Sorten und einen nachhaltigen Anbau erzählen. In mehr als 200 Jahren haben neun Generationen in der Gärtnerei Sannmann ihr Wissen weitergereicht. Als Thomas Sannmann 1986 mit einer neuen Idee kam, war sein Vater wenig begeistert. Das gesamte Gemüse nach strengen Regeln in Demeter- Qualität erzeugen – das klang für den Senior nach wucherndem Un- kraut und Schädlingen, die die Ernte fressen. Doch eine Versuchsanbaufläche überzeugte ihn vom Gegenteil.

Wichtige Helfer: die Regenwürmer

Heute erntet Sannmann mit 30 Mitarbeitern neben Gemüse und Salaten etwa 120 Tonnen Tomaten pro Saison. Die Pflanzen wachsen in einem geschlossenen Betriebskreislauf auf: Fast alles, was sie brauchen, liefert der Hof. Der Dünger stammt von 25 eigens angeschafften Herford-Rindern. Ein selbst hergestellter Kompost-Tee stärkt die Pflanzen gegen Krankheiten. Regenwürmer sind die wichtigsten Helfer für einen fruchtbaren, belüfteten Boden. Eine spezielle Rolle spielt bei Sannmann die Tomate „Vierländer Platte“. Diese geschmacklich sehr intensive Frucht, eine alte Sorte, wurde hauptsächlich Anfang des 19. Jahrhunderts in Vierlanden vor den Toren Hamburgs angebaut.

Engagiert gegen Gentechnik

„Zufällig hat mir 1987 ein alter Gemüsebauer Saatgut von der ,Vierländer Platte‘ geschenkt“, erinnert sich Thomas Sannmann. Er pflanzte die breite, leicht gerippte Tomate zunächst in kleinen Mengen an und entnahm jedes Jahr aus den besten Früchten Samen zur Vermehrung. Diese und andere Sorten verkauft Sannmann heute auf seinem Hof – eine Alternative zu den sonst üblichen Hybridsorten, die nur von Saatgutkonzernen weiter vermehrt werden können. Fast logisch, dass Sannmann sich auch gegen Gentechnik engagiert. Als Mitbegründer der „Initiative für eine gentechnikfreie Metropolregion Hamburg“ klärt er über die Gefahren für Pflanze und Mensch auf. Er wünscht sich die Welt so in Ordnung wie in seiner Gärtnerei. Das spüren wir Besucher bei jedem Schritt über das Gelände.

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Autor:
Imme Bohn