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Bio-Special Fertiggerichte in Bio-Qualität

Da stutzt man beim Blick in Regale und Tiefkühltruhen: Jetzt gibt es Fertiggerichte auch in Bio-Qualität. Wir haben uns gefragt, was das soll, und mal Pizza und Pommes probiert.

Frau im Superamarkt

Kartoffelpüree im Becher, Currywurst im Glas – beides in Bio-Qualität. Neuheiten, mit denen Bio-Anbieter auf der diesjährigen „BioFach“-Messe in Nürnberg auf sich aufmerksam machten. Mehr als 300 Aussteller haben allein in der Gruppe der Convenience-(Fertig-)Produkte an der „BioFach“ teilgenommen. „Inzwischen gibt es alle gängigen Fertigprodukte auch in Bio-Qualität“, sagt Petra Trommer, Leiterin Kommunikation der Nürnberg Messe. Schlendert man in den Bio-Supermärkten durch die langen Regalreihen, trifft man längst nicht mehr nur auf knackiges Gemüse, vollwertiges Brot und frische Eier. Das Angebot reicht viel weiter: Fertigsuppen, tiefgekühlte Lasagne und Pizza stehen für den schnellen Genuss bereit.

Fast Food in Bio-Qualität
Aber bringt es wirklich etwas, wenn man Fertigprodukte in Bio-Qualität kauft? Schmecken diese Produkte anders als ihre konventionellen Verwandten? Wir haben in unsererVersuchsküche Pizza und Fischstäbchen probiert. Fazit: Die Bio-Produkte machten oft optisch eine schlechtere Figur, konnten aber im Geschmack punkten. So fehlte den Fischstäbchen zwar das Goldbraun in der Panade, dafür schmeckten sie aber viel natürlicher nach Fisch. Auch die Pommes frites hatten einen ausgeprägten Kartoffelgeschmack, dafür, trotz der vorgegebenen Bräunungszeit, eine blasse Farbe und einen leicht welligen Rand.
Bei der Pizza ließen sich kaum Unterschiede feststellen – zumindest geschmacklich und optisch. Beim Blick auf die Zutatenliste auf der Verpackung wird schnell klar: Sie ist bei einer konventionellen Pizza fast doppelt so lang. Verdickungsmittel, Säureregulatoren, gehärtete Fette und Emulgatoren finden auf der Bio-Pizza keinen Platz. Laut EG-Öko-Verordnung müssen mindestens 95 Prozent der Zutaten eines Fertiggerichtes aus ökologischem Anbau stammen.
Zusätze von künstlichen Aromen, Farb- und synthetischen Konservierungsstoffen sind tabu. Bio-Produkte werden grundsätzlich ohne den Einsatz von gentechnisch veränderten Zutaten gefertigt. Schonende Herstellungsverfahren bewahren das Aroma und verhindern größere Nährstoffverluste. Betrachtet man den Preis, sind Bio-Fertigprodukte 50 bis 100 Prozent teurer als konventionelle Convenience-Gerichte. Mit 4,29 Euro liegen zehn Bio-Fischstäbchen 2,40 Euro über dem Preis von üblichen Fischstäbchen.

Für den höheren Preis der Fertiggerichte gibt es eine Reihe von Gründen: Die Produktion der Zutaten ist arbeitsintensiver. Gemüse wird ohne chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel angebaut, so dass hier mehr von Hand gejätet und gepflegt werden muss. Organischer Dünger und natürliche Pflanzenschutzmittel sind teurer. „Bio-Tiere“ werden langsamer und damit auch länger gemästet. Sie erzeugen weniger Fleisch, Eier und Milchprodukte. Bio-Bauern und Verarbeiter müssen sich strengen gesetzlich vorgeschriebenen Kontrollen unterziehen und dafür auch noch Gebühren zahlen.

Selbst bei den Verpackungen setzen Bio-Produzenten auf strengere Richtlinien. Ihre Herstellung muss möglichst umweltschonend sein und der Verpackungsaufwand auf das technologisch erforderliche Mindestmaß reduziert werden. „In der Zusammenarbeit mit unseren Herstellern wirken wir darauf hin, dass ökologische Erfordernisse vor marketingtechnischen Kostengesichtspunkten stehen“, sagt Gerald Wehde, Sprecher von Bioland. Schwer abbaubare Kunststoffe wie PVC und solche, die unvertretbar umweltbelastend hergestellt werden, dürfen nicht verwendet werden.

 

Wo bleibt die Ursprünglichkeit?
In unserer schnelllebigen Zeit gibt es viele Gründe für den Kauf von Convenience-Gerichten: Zeitersparnis beim Kochen und Einkaufen, die Möglichkeit, sie stets im Vorrat zu haben. Doch mit der Ursprünglichkeit eines Lebensmittels haben Fertigprodukte nichts mehr zu tun. „Zurück zur Natur“ ist aber einer der Leitsätze der Bio-Bewegung. Wie passt das zusammen? „Bei Demeter waren Fertigprodukte lange tabuisiert“, erklärt Renée Herrnkind, Pressesprecherin des Demeter-Bundes. Trotzdem hat sich auch hier im Laufe der Jahre eine „tolerante Grundhaltung“ durchgesetzt. Der Verbraucher muss die Möglichkeit haben, sich jederzeit für Bio entscheiden zu können. Wer ab und zu eine Pizza isst, soll auch hier auf bio-dynamische Rohstoffe und schonende Verarbeitung vertrauen können. Bei aller Toleranz favorisiert Demeter jedoch die frischen Lebensmittel. „Unsere Vertrags-Hersteller bieten Fertiggerichte nach den konsequenten Demeter-Richtlinien an, aber unsere Energie geht in frische Produkte“, so Herrnkind.

 

Höchste Qualität als Stilfrage
Genau aus diesem Grund hat Demeter im Februar dieses Jahres die erste Bio-Mitkochzentrale im Internet eröffnet. Auf der Webseite mitkochzentrale.net können sich Interessierte verabreden, die zusammen kochen und gemeinsam genießen wollen. Das Verbindende: Alle bevorzugen Bio-Lebensmittel höchster Qualität, schätzen Profi-Rezepte und wollen ihren Spaß haben. Da werden frische, pure Zutaten zum Lebensstil.