Vorbeugen durch Ernährung

Welches Essen schützt vor Krebs

Obst und Gemüse senken, Fett und Fleisch erhöhen das Tumor-Risiko. So einfach ist das. Wirklich? Leider Nein. Prof. Cornelia Ulrich sagt, wie stark der Einfluss der Ernährung wirklich ist und was das für uns bedeutet.

Obst und Gemüse

Den Krebs bekämpfen, ihn irgendwann besiegen, seine Entstehung verstehen – nichts anderes spielt in der medizinischen Forschung momentan eine so große Rolle. Eine der wichtigsten Fragen lautet: Wie kann man vorbeugen? Da die Ernährung den gesamten Stoffwechsel beeinflusst, ist klar, dass die Wissenschaftler seit Jahren buchstäblich auf unseren Tellern nach Antworten suchen.
Das Problem: Was heute noch als „goldene Regel“ gilt, kann morgen schon überholt sein. Gingen Fachleute z.B. bislang davon aus, dass fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag 20 Prozent der Krebserkrankungen verhindern, belegen jetzt neue Studien: Es sind wohl nur 3 Prozent. Was stimmt denn nun? Wie viel bringt eine gesunde Ernährung tatsächlich? VITAL sprach mit einer Expertin auf diesem Gebiet: Prof. Cornelia Ulrich, 42, Leiterin des Bereichs Präventive Onkologie am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg.

VITAL: Kann eine spezielle Ernährung tatsächlich vor Krebs schützen?
Prof. Cornelia Ulrich: Das ist schwierig zu beantworten. Krebs ist eine sehr komplexe Erkrankung, nicht einmal zwei Brustkrebspatientinnen haben die identische Krankheit. Jede Tumorerkrankung ist durch verschiedene Prozesse entstanden und zeigt unterschiedliche Eigenschaften. Deshalb unterscheiden sich auch die Risikofaktoren und die Möglichkeiten der Prävention. Grundsätzlich richtig liegen Sie aber mit viel Gemüse und Obst, mit wenig Fett und Fleisch – und das möglichst nicht durchgebraten. Der Speiseplan sollte ausgewogen, abwechslungsreich, vollwertig sein.

Das klingt sehr allgemein. Ist es sinnvoll, gezielt bestimmte Lebensmittel zu essen, die z.B. große Mengen sogenannter Krebsschützer wie Lycopin oder Sulforaphan enthalten?
Ernährung nach dem Bausteinprinzip und Pauschallösungen nach dem Motto „Täglich Tomaten essen“ halte ich nicht für sinnvoll. Es gibt nicht das Lebensmittel, das für jeden Menschen einen Schutz vor jeder Krebsart bietet. Und Lycopin in Tomaten oder Sulforaphan in Brokkoli sind bei Weitem nicht die einzigen bioaktiven Pflanzenstoffe, die vor Krebs schützen können. Es gibt unzählige andere, die bisher kaum erforscht sind. Insgesamt scheint der Schutzeffekt im Zusammenwirken der Substanzen zu liegen – und zwar in Form von echtem Obst und Gemüse. In fast allen Studien war die Einnahme von Vitamin-Präparaten nicht erfolgreich in der Krebsprävention.

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