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Ein gutes Bauchgefühl Endometriose: Wenn Menstruationsbeschwerden zur Krankheit werden

Viele Frauen glauben, Regelschmerzen müssten sie aushalten. Doch dahinter kann eine Krankheit mit dem schwer sich zu merkenden Namen Endometriose stecken. Und die lässt sich mittlerweile erfolgreich behandeln. Eine Frau erzählt ihre Geschichte.

Bauchgefühl

Es klingt wie ein makaberer Scherz. Ist aber keiner. „Ich habe zwischen zwei Schüben geheiratet“, erzählt Inge Schröder. Wie so viele andere Zeitpunkte in ihrem Leben musste sie auch diesen sehr bewusst auswählen. Musste ein weiteres Mal auf ihre Krankheit Rücksicht nehmen. Fast 20 Jahre lang litt sie an Endometriose: Gutartige Herde aus Gebärmutterschleimhaut, dem sogenannten Endometrium, hatten sich in ihrem Bauchraum angesiedelt und durchliefen mit jedem Monatszyklus die gleichen Veränderungen wie die Schleimhaut in der Gebärmutter. Jede Regel wurde für die heute 32-Jährige zur Tortur.

 

Eine verborgene Krankheit

Eine oft unentdeckte Krankheit: Endometriose. Geschätzte sechs Millionen Frauen sind betroffen Die Endometriose Vereinigung Deutschland in Leipzig schätzt, dass es hierzulande etwa vier Millionen Frauen so geht wie Inge Schröder. Andere Fachleute rechnen mit bis zu sechs Millionen Betroffenen und 40 000 Neuerkrankungen pro Jahr. Gut möglich, dass die Zahlen noch höher liegen: Viele betroffene Frauen gehen trotz starker Regelschmerzen nicht zum Arzt, weil sie glauben, sie aushalten zu müssen. Und bei jenen, die sich dann doch untersuchen lassen, brauchen deutsche Ärzte durchschnittlich zehn Jahre, um die richtige Diagnose zu stellen. Denn viele Gynäkologen wissen zu wenig über diese rätselhafte Krankheit, deren Ursache bislang noch immer im Dunkeln liegt.

Inge Schröder

 

Regelschmerzen ernst nehmen

Inge Schröder ist Expertin. Ungewollt. Die Phasen zwischen den Endometriose-Schüben waren für sie buchstäblich Hoch-Zeiten. Dann ging es ihr gut. Doch mit jedem Eisprung erlebte sie wieder einen schmerzhaften Tiefpunkt. „Es fühlte sich jedes Mal an, als hätte sich jeder einzelne Nerv in meinem Bauch entzündet“, beschreibt sie ihre Beschwerden. „Treppen konnte ich nur noch hochkriechen, jede Bewegung tat weh, und mein Bauch schwoll an.“ Nur mit Schmerzmitteln schaffte es die gelernte Optikerin zur Arbeit. Trotzdem glaubte sie zunächst nicht an eine Krankheit. „Am Anfang dachte ich, das ist normal“, erinnert sie sich. „Auch weil eine Freundin erzählte, ihre Mutter habe das ebenfalls.“ Aber schon bald spürte Inge Schröder: So etwas kann nicht normal sein. Sie ging zu Ärzten. Immer wieder. Um die 20 waren es insgesamt. Und bekam stets zu hören: „Mit Regelschmerzen müssen Sie leben.“ Einer sagte sogar, sie solle sich nicht so anstellen, sie sei doch „kein frisch gebackenes Brötchen mehr“. Da war sie 23. In dem Alter, so der Mediziner damals weiter, habe sie ja „ausreichend Erfahrung mit ihrer Regel“. Heute kann Inge Schröder darüber lächeln. „Damals fing ich an, an mir zu zweifeln, und hatte immer mehr Angst vor dem nächsten Tag mit Schmerzen.“ Sie versuchte es mit Akupunktur, Wärmekissen und Homöopathie. Nichts half.

 

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Autor:
Edda Neitz