Moderne Forschung
Was bringt die Medizin in der Zukunft
Verfeinerte Diagnosen, raffinierte Medikamente, clevere Testverfahren und schonendere Operationen: Um unsere Gesundheit steht es in Zukunft gut.
Nie zuvor hat die Medizin so rasante Fortschritte gemacht wie heute. Bei Herzoperationen können Chirurgen darauf verzichten, den Brustkorb zu öffnen. Die Entfernung einer Niere verläuft bei Frauen künftig ohne Narben. Die schonenden Schlüsselloch-OPs überspringen Hürden, die noch vor wenigen Jahren als unüberwindlich galten. Spannend auch, dass die Forschung erstaunliche neue Wirkungsfelder für alte und bewährte Medikamente findet. VITAL nennt die wichtigsten 35 Fortschritte der Medizin für die Zukunft. Aber auch entscheidende Eckpunkte der Gesundheitsreform.
Und noch mehr Lichtblicke
Neuer Schutz
Bereits 2011 wird ein Impfstoff auf den Markt kommen, der die häufigste Form der Hirnhautentzündung durch spezielle Bakterienstämme (Meningokokken B) bekämpft. Und in mehreren Studien werden derzeit Impfstoffe gegen das Pfeiffersche Drüsenfieber, das durch das Epstein-Barr-Virus ausgelöst wird, getestet. Ebenfalls Schutzstoffe gegen Leberentzündungen durch Hepatitis- C- und E-Viren.
Ruhiges Herz
Virusinfektionen können Herzrhythmusstörungen auslösen, wenn bestimmte Schlüsselzellen (CAR-Rezeptoren) im Herzmuskel nicht arbeiten. Medikamente können diese Blockade künftig lösen.
Echte Schlankpille
Eine Forschungsgruppe der Uni Basel hat einen Eiweißstoff („Raptor“) im Fettgewebe entdeckt, der den Energiestoffwechsel bremst. In acht bis zehn Jahren wird es eine wirksame Pille gegen Übergewicht geben.
NEUE THERAPIEN
BRUSTKREBS
1 Punktgenaue Strahlen
Erst die Operation, dann die Strahlentherapie – so die Standardbehandlung für die jährlich 57 000 deutschen Brustkrebs-Patientinnen. Aber: „Dort, wo ein Tumor entfernt wurde, bilden sich bis zu 90 Prozent aller Rückfälle. Deshalb ist es sinnvoll, dieses Hochrisikogebiet sofort hochdosiert und gezielt zu bestrahlen“, sagt Prof. Frederik Wenz vom Uniklinikum Mannheim. Jetzt können die Ärzte während der Operation die Wundhöhle mit einem 5 Zentimeter großen kugelförmigen Strahlenkopf punktgenau bestrahlen. Gesundes Gewebe bleibt verschont.
FAZIT: Nach fünf Jahren bildeten sich bei weniger als 2 Prozent der Patientinnen neue Tumore.
2 Ultraschall-Chirurgie
Brustkrebsgewebe kann in Kürze gezielt mit Ultraschall verschmort werden. Die eigentlich harmlosen Strahlen werden wie Sonnenlicht in einer Lupe auf einen Punkt fokussiert. Im Brennpunkt sterben die Krebszellen.
FAZIT: Bei Gebärmutterwucherungen liefert das Verfahren bereits ausgezeichnete Ergebnisse. Studien zu Brustkrebs laufen derzeit noch.
3 Bluttest
Der neuartige Bluttest „BCtect (TM)“ erkennt Tumore sehr früh und präzise, vor allem bei Frauen vor den Wechseljahren und bei Frauen mit dichterem Brustgewebe.
4 Letzte Hilfe
Ein Stoffwechselprodukt von Myxobakterien (Epothilon) hilft auch dann noch, wenn die Tumorzellen gegen andere Zellgifte resistent geworden sind.
5 Hemmstoffe
Die regelmäßige Einnahme von Entzündungshemmern verhindert die Entstehung von Brustkrebs, zeigt die weltweit bislang umfangreichste Übersichtsstudie mit über 2,7 Millionen Frauen. Der Wirkstoff Acetylsalicylsäure verringert die Wahrscheinlichkeit um 13 Prozent, Ibuprofen sogar um 21 Prozent.
FAZIT: Sinnvoll bei hohem Brustkrebsrisiko. Ungeeignet bei Magenleiden.
Quelle: Vital, Ausgabe 04/2009







