Seite 8 aus dem Artikel: Traumforschung
Experten-Interview

Experten-Interview

„Träume helfen, die richtigen Fragen zu stellen“

Psychologe Michael Schredl, Zentrum für Seelische Gesundheit, Mannheim
 
Pioniere der psychologischen Traumdeutung wie Sigmund Freund und C. G. Jung verstanden den Traum als Ventil, um Verdrängtes, Unbewusstes sowie lang zurückliegende Erlebnisse zu verarbeiten. Gilt diese These noch? Sie ist ergänzungsbedürftig. Heute gehen Traumforscher wie Therapeuten mehrheitlich davon aus, dass Träume sich meist auf die aktuelle Lebenssituation beziehen. Träume zeigen uns Defizite, können aber auch Lösungsansätze anbieten.

Wie funktioniert das? Natürlich ist ein Traum kein Ratgeber. Aber ich kann mich fragen: Welche Gefühle hat er in mir ausgelöst? Was fällt mir zu den Bildern ein?

Gibt es Tabuthemen im Traum? Den eigenen Tod? Grundsätzlich kann alles Inhalt der Träume sein, was aus dem Wachleben bekannt ist, sogar das Sterben. Nur dass Träume oft eine surreale Komponente haben, etwa bei Bildern vom Fliegen.

Wenn wir im Traum bekannte Menschen treffen, etwa Partner, Eltern oder Freunde – was sagt uns das über sie? Es sagt uns weniger über die reale Person als über das Bild, das wir von ihr haben, über unsere Wünsche oder Ängste in Bezug auf sie.

Bitte noch einen praktischen Tipp: Wie merkt man sich Träume besser? Am besten, man geht die Bilder nach dem Aufwachen gedanklich noch mal so genau durch wie möglich. Man kann der Erinnerung auch auf die Sprünge helfen, indem man dabei verschiedene Schlafpositionen durchprobiert. Was auch hilft: sich tagsüber mit dem Thema zu beschäftigen, zum Beispiel etwas über Träume zu lesen, über frühere Träume nachzudenken. So behält man die aktuellen Nachtbilder besser.


Schlagwörter: forschung, glueck, psychologie
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© Verena Carl
Quelle: Vital, Ausgabe 03/2010

Verena Carl

Autor: Verena Carl

Verena Carl, 40, lebt mit Mann und zwei Kindern, 2 und 5, in Hamburg. Sie schreibt u. a. Bücher und für uns die Kolumne über ein vitales Leben.