Hardcore-Chemie gegen Bakterienmief?
Manche dieser Extras sind aber auch schlicht übertrieben: Sportkleidung lässt sich einfach lüften oder eben waschen, damit sie nicht müffelt. Auf Hardcore-Chemie gegen Bakterienmief sollte man deshalb gleich verzichten. Was, zugegeben, nicht einfach ist. Denn der Verbraucher kann nicht erkennen, welche Chemikalien in der Funktionskleidung stecken. Manchmal baumeln zwar zusätzliche Etiketten an der Kleidung, doch Fantasienamen wie „Supplex“ (UV-Schutz) verraten einem auch nicht, welche chemische Zutat wirklich darin steckt. Das ist eigentlich Verbrauchertäuschung, aber absolut legal. Während bei Lebensmitteln oder Kosmetika eine Zutatenliste zwingend vorgeschrieben ist, verlangt das wachsweiche deutsche Textilkennzeichnungsgesetz lediglich, die verwendeten Fasern zu nennen. Welche Hilfsstoffe sonst hinzugefügt wurden und womöglich gesundheitsschädlich sind, braucht der Hersteller nicht zu verraten. So gesehen ist Kleidung eigentlich eine „Blackbox“.
Umgekehrt fehlt leider auch ein einheitliches Gütesiegel für ökologisch einwandfreie Ware, mit dessen Hilfe die Kunden auf einen Blick erkennen können, dass ihre Kleidung wirklich sauber hergestellt wurde. Prinzipiell lässt sich Sportkluft natürlich so clean herstellen, dass sie hohen ökologischen Ansprüchen genügt. Licht am Horizont bietet das Gütesiegel der Firma Bluesign, die vor neun Jahren in der Schweiz gegründet wurde. Hersteller wie Vaude, Patagonia, Helly Hansen, The North Face oder Haglöfs haben sich von Bluesign beraten lassen, um ihre Kleidung möglichst umweltverträglich herzustellen. Beispielsweise stehen mehr als hundert Textilchemikalien auf der „schwarzen Liste“ des Unternehmens. Sie sollten grundsätzlich nicht eingesetzt werden. „Graue” Substanzen darf der Hersteller nur dann verwenden, wenn kein Ersatz möglich ist. „Blaue” Chemikalien hingegen gelten als unbedenklich. Bluesign bleibt aber nicht beim Schadstoffgehalt eines Textils stecken, wie beispielsweise das weit verbreitete „Öko-Tex Standard 100“-Siegel, sondern achtet während des gesamten Produktionsprozesses auf den Umweltschutz.
Manche Firmen scheuen bislang die Investition. „Durch den sparsameren Umgang mit Rohstoffen lässt sich aber sogar Geld sparen“, bestätigt Dominik Fuß von der Schweizer Sportfirma Zimtstern, die von der Münchner Sportmesse ISPO den diesjährigen „Eco Responsibility Award“ für Textilien verliehen bekommen hat. Das Öko-Engagement der Branche ruft aber auch Kritik hervor, denn saubere Kleidung ist nicht automatisch gleichzeitig ethisch korrekt hergestellt. Immer wieder geraten Sportfirmen in das Visier der „Kampagne für saubere Kleidung“, die die knochenharten Bedingungen in den Billiglohnländern kritisiert, wo über 90 Prozent der Sportkluft produziert wird. Pyua kehrt deshalb nach Europa zurück und lässt die recycelten Fasern in Deutschland zu Stoffen weben. Auch spezialisierte Laufschuhhersteller haben wieder begonnen, hierzulande zu produzieren. Und dass dieser Trend anhalten wird, da sind sich die Experten einig…
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Kirsten Brodde
Quelle: Vital, Ausgabe 06/2009













