Selbstmitleid oder Selbstbestimmung?

Dann haben wir vielleicht auch Raum für diese wichtige Erkenntnis: Selbst wenn wir keinen Einfluss auf die Zukunft unserer Arbeitsplätze haben, so haben wir dennoch mehr in der Hand, als wir denken. Denn wir haben die Möglichkeit, eine neue Haltung zu finden, die ganz entscheidend mitbestimmen wird, wie es uns in Zukunft geht. Die uns zunächst einige Selbstkritik abverlangt: Wir alle haben das System mitgetragen, das uns jetzt um die Ohren fliegt. Nicht nur die gierigen Banker, auch wir waren im Leben immer auf der Suche nach der größten Rendite. Jetzt liegen wir da – schwer angeschossen. Aber je entschiedener wir einander helfen, uns hochzurappeln, desto schneller werden wir wieder auf eigenen Beinen stehen. Spätestens dann jedoch sollten wir zusammen auch einen Schritt weitergehen und überlegen:

»Freundschaft ist ein gegenseitiges Schutz- und Hilfsbündnis«

Wollen wir weitermachen wie bisher und die Entscheidungen darüber, wohin unsere Gesellschaft steuert, im Wesentlichen anderen – den Bankern, Managern und Politikern – überlassen? Oder wollen wir uns selbst mehr in die Pflicht nehmen, von nun an mit dafür sorgen, dass das Leben und das Wirtschaften ein Stück nachhaltiger werden – im Kleinen wie im Großen? Ohne eigenen Einsatz und eigenes Engagement ist so ein persönlicher Kurswechsel nicht zu haben. Aber wenn die Krise uns eines gelehrt hat, dann das: Nichts ist schlimmer, als das Gefühl, macht- und hilflos zu sein. Warum also nicht auf ein Stück gewohnter Bequemlichkeit verzichten – wenn sich so ein Stück Kontrolle und Selbstbestimmung zurückerobern lässt? Denn auf die Art, wie wir in Zukunft leben wollen, können wir Einfluss nehmen. Gemeinsam. Auf Augenhöhe.


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Quelle: Vital, Ausgabe 07/2009

Autor: Eva Lehnen