Well-Nepp
Während der Sport- und Saunabereich eines Hotels oder eine Yoga-Reise die Bezeichnung „Wellness“ durchaus verdienen, kursierte auf einmal Kurioses, der sogenannte Well-Nepp. Mit Bildern sich sichtlich wohlfühlender Menschen (und Tiere!) wurden unter anderem Wellness-Strumpfhosen, Wellness-Schnitzel oder Wellness-Katzenstreu angepriesen. Sogar das Modell eines Autoherstellers bekam den Slogan „Das erste Wellness-Konzept, das auf Motoröl beruht“ verpasst.
Eine begriffliche Inflation, die die Hamburger Biermarke „Astra“ schon vor ein paar Jahren ironisch für ihre Zwecke nutzte: Über dem Foto eines Schnurrbartträgers im Whirlpool, der von zwei Damen mit Doppel-D-Körbchen gekrault wird, prangte der Spruch „Das nennt man jetzt Wellness“. Bedeutet das Ausverkauf und Schluss mit Wohlfühlen? Antje Schünemann vom Trendbüro Hamburg weiß es besser: „Auch wenn es inzwischen neue Bezeichnungen wie ,Selfness’ gibt, bei denen mehr das Ich und die aktive Arbeit am Selbst im Mittelpunkt stehen, bedeutet das nicht das Ende der Wellness. Sie wird es weiter geben: als Wegweiser für alles, was gut tut.”
In Zukunft trennt sich aber die Spreu vom Weizen: Eine Konkretisierung der Angebote wird wichtiger. Denn wenn heute alles als „Wellness“ verkauft wird, steigt die Sehnsucht nach besonderen Angeboten. Hotels lassen sich darum zum Beispiel zunehmend testen und für gut befinden. Und sie nennen ihre Angebote wieder beim Namen. Schünemann: „Eine Wellness-Massage bucht heute keiner mehr. Die Leute fragen kritisch: Was ist das und was bringt mir das?“ Ergebnis: Der Well-Nepp wird in Zukunft links liegengelassen und am Ende siegen Kompetenz, Qualität – und Wohlgefühl!
Ein Sonntagnachmittag im Jahr 2009. Draußen regnet’s. Eine Frau sitzt im Schneidersitz auf dem Sofa. Sie nimmt einen Schluck aus ihrer Tasse Tee, gibt ihrem Freund einen Kuss – und denkt: „Ist doch egal, wie’s heißt – solange es gut ist.“ Wellness kann so einfach sein …
©
Christiane Bongertz
Quelle: Vital, Ausgabe 04/2009






