Autor: Vera Vaelske
Seite 5 aus dem Artikel: Hilfe bei Arthrose
Interview
Interview
„Künstliche Kniegelenke halten über 20 Jahre“
Dr. Thomas Gehrke, Ärztlicher Direktor der Endo-Klinik, Hamburg
Sind künstliche Kniegelenke nur für ältere Patienten ein letzter Ausweg?
Nein, wir setzen sie durchaus auch bei jüngeren Menschen ein. Es gibt eigentlich keine Altersgrenze. Wenn die Gelenke zerstört sind und ein schmerzfreies Bewegen nicht mehr möglich ist, erfolgt eine Implantation. Das bedeutet auch: Der Patient erhält dadurch ein Stück Lebensqualität zurück.
Worauf muss der Patient nach der Implantation achten?
Es gibt einige Sportarten, die er meiden sollte. Dazu gehören zum Beispiel regelmäßiges Joggen, Kampfsportarten und sogenannte High-Impact-Sportarten, da hier die Stoß- und Stauchbelastungen sehr stark sind. Wegen der erhöhten Gefahr der Infektion sollten alle bakteriellen Entzündungen wie Harnwegsinfekte, Lungen- oder Zahnentzündungen frühzeitig und konsequent mit Antibiotika behandelt werden.
Ist die „Haltbarkeit“ einer Prothese bei allen Patienten gleich gut?
Grundsätzlich gilt: Die Haltbarkeit der Standardprothesen für Knie- und Hüftgelenke ist ähnlich. In der Regel sind sie sehr belastbar und halten den normalen Alltag sowie moderate sportliche Belastungen über mehr als 20 Jahre aus. Wenn sich eine Prothese nach dieser Zeit lockert, ist das völlig normal.
Wann muss eine Prothese gewechselt werden?
Ursachen für einen Prothesenwechsel können eine Lockerung innerhalb der ersten Monate oder eine bakterielle Infektion sein. Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt aber nur bei einem Prozent. Bei einer Lockerung ist die Prothese nicht mehr fest mit dem Knochen verbunden. Es kommt zu Schmerzen und der Zerstörung des Knochens. Hier genügt ein Teilaustausch der gelockerten Elemente. Bei einer Infektion hingegen muss die gesamte Endoprothese ausgewechselt werden. Denn die Bakterien zerstören Knochen und Gewebe.
Was hat es in diesem Zusammenhang mit der „Knochenbank“ auf sich?
Hier werden bei Implantationen entnommene Hüftköpfe gelagert, die durch Erhitzen und Tiefgefrieren sterilisiert wurden. Wenn es nun bei Prothesenlockerungen zur Zerstörung des umgebenden Knochens kommt, werden diese Defekte mit Fremdknochen aus der Knochenbank aufgefüllt. Die neue Prothese hat so den nötigen Halt. Wir sind mit dieser Methode weltweit führend, verfügen über mehr als 20 Jahre Erfahrung mit 15 000 Patienten.
Quelle: Vital, Ausgabe 12/2009







