Schnupfen und Husten bekämpfen
Grippe, Erkältung & Co
Jeder Mensch bekommt in seinem Leben im Schnitt 200 Erkältungen. Einige braucht das Immunsystem als Fitnesstraining – auf viele könnte es aber verzichten. Warum wir „Defensine“ brauchen, wie der neue Schnupfen -„Knigge“ schützt.
„Nehmen Sie den Infekt ernst!“
Interview mit Prof. Ludger Klimek, Zentrum für Rhinologie und Allergologie in Wiesbaden
VITAL: Welche Kardinalfehler machen „Verschnupfte“?
Prof. Klimek: Der größte ist, dass grippale Infekte verschleppt werden, weil sie oft nicht als richtige Erkrankung wahrgenommen werden. Dem Körper wird nicht die erforderliche Ruhe gegönnt, die Krankheit auszuheilen. Es bleiben „Rest- Entzündungen“, die anfälliger für den nächsten Infekt machen. Und: Häufig wird allergischer Schnupfen mit einem grippalen Infekt verwechselt, weil die Beschwerden schwer auseinanderzuhalten sind. Fatal, denn auf lange Sicht kann es zu einer chronischen Schleimhautentzündung und sogar zu Asthma kommen. Deshalb sollte jeder Schnupfen, der länger als zwei bis drei Wochen dauert, ärztlich abgeklärt werden. Soll Fieber grundsätzlich gesenkt werden? Prinzipiell hilft eine erhöhte Körpertemperatur dem Immunsystem, mit den Erregern besser fertigzuwerden. Zu hohes Fieber allerdings stört diese Prozesse, kann sogar gefährlich werden. Daher sollte bei Kindern ab ca. 38 Grad, bei Erwachsenen ab 38,5 Grad eine Fiebersenkung erwogen werden. Hierzu eignen sich sowohl Hausmittel wie kühlende Wickel um Wade oder Brust als auch fiebersenkende Medikamente. Wann helfen Antibiotika? Sie sollten nach fünf bis sieben Tagen bei einer bakteriellen Nasennebenhöhlenentzündung eingesetzt werden, bei Komplikationen auch früher.
Mal wieder erkältet? Das kann an Ihren „Defensinen“ liegen. Klingt nach Science-Fiction, nach „Star Wars“. Sie sind aber millionenfach in Ihrem Körper. Direkt auf Haut und Schleimhäuten – und bei einem grippalen Infekt in zu geringer Anzahl. „Neueste Forschungen belegen, dass dort eine Vielzahl von Abwehrstoffen gebildet werden, die wir als ,Defensine’ bezeichnen“, erklärt Prof. Jens-Michael Schröder, Forschungsleiter an der Universitätsklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie in Kiel. „Das sind winzige Eiweißstoffe mit einem enormen Potenzial. Denn sie sind in der Lage, unerwünschte Erreger zuverlässig abzutöten, indem sie quasi ,Löcher’ in deren Zellwände bohren.“
Diese überaus wichtigen blitzschnellen Abwehrmoleküle des angeborenen Immunsystems sind sozusagen die Antibiotika unseres Körpers. Und dann noch welche mit großer therapeutischer Zukunft. Prof. Schröder: „Offensichtlich gelingt es Krankheitserregern nicht, gegen diese Defensine Resistenzen zu entwickeln. Das ist umso bemerkenswerter, als unsere herkömmlichen Waffen gegen Keime, die Antibiotika, durch Resistenzentwicklung zunehmend abstumpfen. Somit sind Defensine möglicherweise ein Hoffnungsträger für den Ausweg aus dieser Antibiotika- Sackgasse – Grundstrukturen für die Entwicklung einer völlig neuen Antibiotika-Generation.“
Viren oder Bakterien: Ein neuer Test checkt das
Antibiotika – ein Riesen-Problemfeld in deutschen Arztpraxen. Denn sie bekämpfen nur die Erreger bakterieller Infektionen. 75 Prozent der Ärzte verschreiben sie aber bei Atemwegserkrankungen, die von Viren verursacht werden. Ein Hauptgrund dafür, dass immer weniger Bakterienstämme durch Antibiotika vernichtet werden können, weil sie resistent sind. Ein Ausweg aus diesem Dilemma ist ein neuer Labor-Schnellcheck. Der „Procalcitonin-Bluttest“ unterscheidet haargenau zwischen bakterieller oder viraler Infektion. Die Auswertung ist ganz einfach: Bakterien produzieren Giftstoffe, die während der Entzündungsreaktion den Körper dazu anregen, das Hormon Procalcitonin ingrößeren Mengen herzustellen als bei einem Virus-Infekt. Ist der Procalcitonin- Wert stark erhöht, müssen Antibiotika geschluckt werden. Bei einem niedrigen Wert sind sie überflüssig.
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Susanne Schütte
Quelle: Vital, Ausgabe 01/2009








