Seite 2 aus dem Artikel: Fair-Trade-Produkte
„Jute statt Plastik“


„Jute statt Plastik“: mit dieser Aktion setzte die Bewegung 1976 ein Zeichen. Die bisher nur als Rohstoff aus Bangladesch importierte Jute wurde erstmals direkt in Indien zu Tragetaschen verarbeitet: Frauenkooperativen fertigten die kultigen Taschen in Handarbeit und sicherten damit ihren Lebensunterhalt. Mit dem Aufruf gelang es, den krassen Gegensatz zwischen der Armut in den Entwicklungsländern und der Wegwerfgesellschaft in den Industrienationen zu zeigen. Wer sich vomenergieverschwendenden, umweltschädigenden Konsum distanzieren wollte, kaufte ausschließlich mit dem Stoffbeutel ein. Die Jutetasche mutierte zum Symbol für eine faire, ökologische Weltanschauung.

Ähnlich verhielt es sich mit dem Nicaragua Kaffee. Die groß angelegte Aktion „Solidarität mit Nicaragua“ rief dazu auf, fair gehandelten Kaffee aus dem  zentralamerikanischen Land zu konsumieren, um Solidarität mit den Kaffeebauern zu zeigen. Nicaragua wurde damals von den USA mit einem Handelsboykott belegt. Der Kaffee stand als ein politisches Produkt im Blickpunkt der Weltöffentlichkeit. „Sein Geschmack war dabei eher nebensächlich“, sagt Manfred Holz. Nicaragua-Kaffee war damals sehr stark gebrannt. Mit seinem herben Geschmack verlangte er so manchem Genießer schon einiges an Solidarität ab.

Heute gibt es faire Kaffeesorten mit erstklassigem Geschmack. Alle Produkte haben eine hohe Qualität. Aber: Gerade im Internet werden viele Artikel ohne Siegel angeboten. Wer soll da noch den Durchblick behalten? Eine Broschüre, die über den Weltladen-Dachverband bestellt werden kann (Tel. 0 61 31/6 89 07-80; www.weltladen.de), sorgt hier für mehr Klarheit. Sie bewertet Import- Organisationen, die mit fairen Artikeln handeln. Denn: Es gibt auch faire Produkte, die das Label nicht tragen, weil sie wegen der entstehenden Kosten noch nicht zertifiziert sind. Eines steht jedoch fest: Das Siegel gibt dem Verbraucher die Sicherheit, dass es sich wirklich um faire Ware handelt. Auch in den etwa 800 „Weltläden“ in Deutschland werden ausschließlich faire Produkte angeboten. Und wir von VITAL machen weiterhin mit.


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© Imme Bohn, Christin Kröger
Quelle: Vital, Ausgabe 04/2009