Seite 3 aus dem Artikel: Essen aus Lust und Frust
Wenn Essen zum Problem wird

Obwohl wir in einer Welt des Überflusses leben, haben viele den Spaß am Essen verloren: Die Hälfte der Deutschen ist übergewichtig und quält sich mit ständig neuen Diätstrategien. Und bis zu fünf Prozent der jungen Frauen leiden an gefährlichen Ess-Störungen.

 

Magersucht

Im Alter von 11 bis 15 Jahren beginnt sie: Anorexia nervosa. Ausgelöst durch unrealistische Schönheitsideale oder Probleme in der Familie. Asketisch hungern sich die sehr willensstarken Mädchen in einen lebensbedrohlichen Zustand. Die Gedanken kreisen ständig ums Essen, Lebensmittel werden in „gut“ und „böse“ unterteilt und es herrscht panische Angst davor, von geringsten Mengen wieder zuzunehmen. Magersüchtige vermeiden Essen in Gesellschaft und sind oft hyperaktiv. Anorexia nervosa ist die häufigste Todesursache bei jungen Frauen. Bei 10 Prozent der Betroffenen endet sie tödlich.

 

Bulimie

Chronische Diät steht häufig am Beginn der Ess-Brech-Sucht. Bei Angst, Traurigkeit oder Langeweile verlieren die Betroffenen die Kontrolle über ihr Essverhalten. In regelmäßigen Fressanfällen essen und trinken sie heimlich bis zu 10000 Kalorien: z. B. ganze Familienpackungen Eiscreme, ungebackenen Kuchenteig und Limonaden – alles, was verboten ist. Durch Erbrechen, Abführmittel, Entwässerungstabletten und exzessiven Sport „reinigen“ sie sich anschließend. Die Bulimie bleibt oft jahrelang unentdeckt. Das ständige Erbrechen führt zu schweren Gesundheitsproblemen: Die Magensäure zerstört die Zähne, Kaliummangel kann Herzprobleme auslösen.

 

Binge-Eating

Vermutlich ein Drittel der Übergewichtigen leidet ebenfalls an unkontrollierten Essanfällen. Mehrmals pro Woche verschlingen sie große Nahrungsmengen. Vor allem abends und wenn die Betroffenen allein sind. Anschließend fühlen sie sich „eklig“ und haben ein schlechtes Gewissen. Im Gegensatz zu den Bulimikerinnen erbrechen sie nicht und nehmen dadurch stark zu.

 

Orthorexia

„Krankhaftes Gesundessen“ bedeutet der Fachbegriff für diese Ess-Störung. Betroffene missionieren ihre Umgebung mit Ernährungsdogmen und essen nur noch wenige Dinge, die Ihnen gesund genug erscheinen. Dadurch wird die Nahrungsauswahl immer kleiner und die Gefahr immer größer, nicht alle Nährstoffe ausreichend zu bekommen.


Tipp: Was kann ich tun, wenn meine Tochter essgestört ist?

  • Keinen Druck machen beim Thema Essen und Gewicht
  • Stärken Sie Selbstbewusstsein und die Selbstständigkeit Ihrer Tochter
  • Beobachten Sie das Umfeld: Häufig hungern Mädchen in einer Gruppe
  • Halten Sie die Konfrontationen aus
  • Wenden Sie sich an eine Beratungsstelle

 

Info:

Erste Hilfe: Beratungstelefon der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Montag bis Donnerstag 10 bis 22 Uhr, Freitag bis Sonntag und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr. Tel. 0221/89 20 31

Adressen von Beratungsstellen in ganz Deutschland: www.bzga-essstoerungen.de.


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