Seite 5 aus dem Artikel: Die Macht der Nase
Zusammenhang zwischen Geruchssinn und Psyche

»RIECHSTÖRUNGEN KÖNNEN PSYCHISCHE PROBLEME NACH SICH ZIEHEN«

Die Unfähigkeit, die Umwelt zu riechen, vertraute Menschen und Situationen auch über ihren Duft wahrzunehmen, wirkt sich bei den Betroffenen oft massiv auf die Lebensqualität aus. Dr. Herz spricht von einem „negativen Dominoeffekt auf die gesunden Funktionen des emotionalen Systems“. Bleibt die Stimulation der Amygdala (siehe Kasten links) durch die Riechzellen aus, leidet ihre Funktionsfähigkeit. Sie kann sogar schrumpfen. Nicht selten sind Depressionen, die ärztlich behandelt werden sollten, die Folge. Denn die typischen Symptome von Antriebsarmut über Schlaf- und Konzentrationsstörungen bis hin zu Suizidgedanken nehmen ohne Therapie meist zu. Umgekehrt beeinflusst die Gefühlswelt auch unsere Nase. Untersuchungen haben gezeigt, dass schwer Depressive oft nicht in der Lage sind, Duftstoffe in normaler Konzentration wahrzunehmen. Durch die Behandlung mit Antidepressiva lässt sich dieser Zustand aber verbessern.

»LÄSST DER GERUCHSSINN NACH, ÄNDERT SICH OFT AUCH DAS GEWICHT«

„Speisearomen regen den Appetit an“, sagt Dr. Herz. Denn Geschmack und Geruch sind untrennbar miteinander verbunden. Geht der Geruchssinn verloren, schwindet oft auch das Gefühl für normale Essensmengen und -intervalle. Wer nicht riechen kann, was er isst, empfindet alles als fad. Und wer Mahlzeiten nicht mehr genießen kann, isst oft automatisch weniger. Außerdem können Speisearomen auch ihre Funktion als Gedächtnisstütze – nach dem Motto „Achtung, jetzt ist mal wieder Zeit, etwas zu essen!“ – nicht mehr erfüllen. Dieses Problem stellt sich für viele ältere Menschen, wenn ab dem 65. Lebensjahr das Riech- und Geschmacksempfinden immer mehr nachlässt. Es gibt aber auch Personen, die wahllos Nahrung in sich hineinschaufeln, wenn Nase und Zunge keine Rückmeldung mehr geben. Mit etwas Disziplin und dem Einführen von bewussten Essenszeiten lassen sich diese Gewichtsschwankungen aber in den Griff bekommen.


Schlagwörter: psychologie, Wissen
Lesen Sie auch
Kommentare
Artikel weiterempfehlen
Zum Artikel

Quelle: Vital, Ausgabe 07/2009

Autor: Eva Hübbe