Seite 6 aus dem Artikel: Charakter kann verändert werden
Darauf kommt es an

Darauf kommt es an

Wenn’s um die Psyche geht, stehen oft Ängste oder Depressionen im Mittelpunkt. Der US-Psychologieprofessor Martin Seligman fordert, sich stärker mit den vernachlässigten guten Eigenschaften des Menschen zu beschäftigen. Zusammen mit seinem Kollegen Christopher Peterson wertete er philosophische, religiöse und psychologische Quellen unterschiedlicher Kulturen aus. Dabei identifizierten die Wissenschaftler sechs positive Kerneigenschaften und dazugehörige Charakterstärken, die immer wieder auftauchen und die es lohnt, auszubauen:

Weisheit und Wissen Mit unseren kognitiven Fähigkeiten wie Neugier, kritisches Denken, Kreativität und der Liebe zum Lernen können wir Wissen sammeln und nutzen. Werden diese Stärken gefördert, erhöht das den praktischen Verstand und den Ideenreichtum.

Tapferkeit/Mut Hier wird nach drei Aspekten unterschieden: dem psychologischen Mut (um etwa Krisen zu meistern), dem moralischen (wenn z. B. Prestigeverlust droht) und dem physischen (wenn man die Angst vor Schmerz und Verletzung überwindet). Generell vereint der Begriff emotionale Stärken wie Ausdauer, Fleiß, Integrität und Enthusiasmus, die bewirken, dass wir ein Ziel verfolgen und uns davon weder von äußeren Schwierigkeiten noch inneren Zweifeln oder Widerständen abbringen lassen.

Menschlichkeit Sich für andere einsetzen, Freundschaften knüpfen, offen auf jemanden zugehen – dabei helfen Eigenschaften aus dem zwischenmenschlichen Bereich wie Sympathie, Freundlichkeit, soziale Intelligenz, Bindungsfähigkeit und die Fähigkeit zu lieben.

Transzendenz Darunter fallen sinnstiftende Wesensmerkmale, die auch den Bezug zu einer höheren Macht herstellen. Dazu gehören Dankbarkeit, Optimismus, Humor, Spiritualität und der Sinn für das Schöne.

Gerechtigkeit Unter diesem Begriff werden gesellschaftliche Stärken versammelt, die das Zusammenleben und ein funktionierendes Gemeinwesen fördern – z. B. Teamwork, Fairness und Führungskompetenz.

Mäßigung Zu wissen, wann man das Richtige tun und das Falsche lassen muss – diese Fähigkeit schützt uns vor Ausschweifungen, nicht nur bezüglich des Essens, Trinkens oder Drogenkonsums. Gemeint ist vor allem das Vermögen, seine Gefühle und Motive im Blick zu behalten. Dabei helfen Eigenschaften wie Bescheidenheit, Vergebungsbereitschaft, Vorsicht und Selbsteinschätzung.


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© Sabine Knapp
Quelle: Vital, Ausgabe 05/2010