VITAL-Test
Die beheizte Computermaus

Trends gibt’s ja viele. Aber was taugen sie? Wir testen für Sie Außenseitermethoden und Produkte, die Gesundheit und Wohlbefinden versprechen. Diesmal: die beheizte Computermaus.
Art-Directorin Sharonna Barel

Art-Directorin Sharonna Barel hat trotz „Heizmaus“ immer noch kalte Hände

Mir kann es einfach nie warm genug sein. Ich stehe auf alles, was wärmt. Das fängt bei der Auto- Sitzheizung an, die zu jeder Jahreszeit benutzt wird. ABC-Pflaster klebe ich mir prophylaktisch ohne Hexenschuss auf. Und wenn andere im Hochsommer über Hitzewellen stöhnen, bin ich richtig in meinem Element – und schlafe trotzdem noch mit Wollsocken. Natürlich habe ich, wie die meisten Frauen, oft kalte Füße und Hände. „Ständig kalte Extremitäten trocknen die Schleimhäute aus und erhöhen die Infektanfälligkeit“, habe ich mal gelesen. Ein Grund übrigens, warum mein Büro oft Saunatemperatur hat – und mich die Redaktion als ideale Testperson für die „heiße Maus“ ausgesucht hat.

Auf den ersten Blick sieht das Ding aus wie eine stinknormale Computermaus. Doch laut Hersteller ist sie „die Maus aller Mäuse“. Das hat seinen Grund: Sie ist beheizbar! Und zwar bis auf 40 Grad. Für Menschen wie mich vielleicht das Richtige.

Dabei sieht die Maus genauso unmodern aus wie die, die jetzt in meinem Computer steckt: grau! Sie ist mit Windows, Linux und Mac OS kompatibel und (nachdem ich das lange Kabel über den Tisch verteilt habe) betriebsbereit. An dem Kabel gibt es einen Schalter: Knopf runter, Heizfunktion ein. Knopf hoch, Heizfunktion aus. Das wird mir zur Sicherheit auch noch mal mit einer Abbildung in der Anleitung erklärt. Ein Spalt in der Maus leuchtet rot, wenn das Heizelement aus ist, wenn er nicht leuchtet, dann heizt die Maus. Muss das nicht umgekehrt sein? Egal. Hauptsache, die Maus erfüllt ihren Zweck. Und tatsächlich: Meine rechte Hand wird langsam warm. Leider nur an einem einzigen Punkt und der hat die Größe von einem Ein-Euro-Stück. Irgendwie lenkt das vom Arbeiten ab. Und außerdem: Was ist mit meiner linken Hand? Hat die kein Recht auf Wärme?

Weitere Infos

Die PC-Maus mit integriertem Heizelement gibt’s in vier Modellen. Preis: ab ca. 30 bis ca. 80 Euro. Infos: Comfortable Computing, Amraser Straße 119, A-6020 Innsbruck, www.comfortable-computing.com


Das wird später geklärt, denn ich muss mit einer „auf den Punkt“ warmen Hand in die Konferenz. Während ich mir noch um den Temperaturausgleich meiner Körperhälften Gedanken mache, schießt mir plötzlich noch ein Gedanke in den Kopf: „Habe ich das Ding ausgemacht?“ „Nie ohne Aufsicht in Betrieb lassen“, steht unter Punkt drei der Sicherheitshinweise. Ich mache mir ernsthaft Sorgen, laufe zurück in mein Büro. Vor meinem inneren Auge sehe ich schon, wie die Maus mitsamt PC-Tastatur und Schreibtisch zu einer grauen, stinkenden Masse zusammengeschmolzen ist. Oder sie hat sich einfach ein Loch durch meinen Tisch gefressen und arbeitet sich durch den Boden zu meinem Kollegen ein Stockwerk tiefer durch. Bevor ich den Feueralarm ausrufen kann, sehe ich die kleine Maus friedlich neben meiner Tastatur leuchten. Und schon sitze ich wieder einseitig beheizt vor dem Rechner.

Fazit: PC-Maus bleibt eben PC-Maus und kann mir auch mit eingebauter Heizung nicht durch den Winter helfen. Schade, ich hatte es mir wirklich wärmer mit heißer Maus vorgestellt. Aber so bleibt sie nur eine graue Maus mit Kabel – und die sterben langsam aus.


Schlagwörter: gesundheit, technik, tests
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Quelle: Vital, Ausgabe 02/2010

Autor: Sharonna Barel