Persönliche Faktoren

Unsere Vorlieben verraten viel über Gen-Code und Vorleben

Ob wir den Geruch einer Creme mögen oder ablehnen, hat aber auch mit zwei sehr persönlichen Faktoren zu tun. Forscher des Max-Planck- Instituts Plön und der Universität Edinburgh haben entdeckt, dass unsere Vorliebe für bestimmte Düfte unseren MHC-Komplex widerspiegelt. Das ist eine Eiweißgruppe in unserem Schweiß, die dem anderen mitteilt, ob wir genetisch zueinanderpassen. Darum mögen wir manche Düfte zwar generell, würden sie aber selbst nicht benutzen. Auch unsere Vergangenheit kann mitmischen. Wer beim Geruch von Nelkenöl an Zahnarztbesuche denkt, wird eine Pflege mit diesem Duft weniger mögen als jemand, der dabei Adventskekse vor Augen hat.

Gegen den Strom: Ungewöhnliche Düfte liegen voll im Trend

Und was passiert, wenn eine Creme nicht nach Creme, sondern nach „jugendlicher Haut“ riecht, wie „Skin Vivo“ von Biotherm? Kosmetik mit origineller Parfümierung ist „in“ – aber akzeptieren wir sie auch? „Das kommt darauf an, wie nah der Duft an dem ist, was wir kennen“, sagt Dr. Patrick Hehn, Duftwirkungsforscher am Institut für Sensorikforschung und Innovationsberatung in Göttingen. „Tests haben ergeben, dass ein Badreiniger, der nach Waschmittel riecht, bei fast allen Probanden sehr gut ankam. Handys mit Duft sind dagegen ein Flop, da uns diese Verbindung zu fremd ist.“ Danach könnten die Erfolgsaussichten für den „Rouge- Couture-Lippenstift“ von Astor gut sein, obwohl er durch seinen Veilchenduft kaum noch als solcher geruchlich zu erkennen ist. „Veilchennoten sind eine Schlüsselzutat für elegante Parfüms“, heißt es aus der Entwicklungsabteilung von Coty. „Deshalb wollen wir unseren Lippenstift damit aufwerten.“ Da Lippenstifte süß und „essbar“ duften sollten, um uns zu gefallen, könnte die Rechnung also aufgehen – schließlich gibt’s auch Veilchenbonbons. Auch „jugendliche Haut“ scheint ein interessanter Schachzug zu sein, um die verjüngende Wirkung einer Anti- Aging-Creme geruchlich zu unterstreichen. Wir haben den Parfümeur Karl-Heinz Bork für uns an „Skin Vivo“ schnuppern lassen: „Ein wohliger Kindheitsgeruch mit Vanille, der durch Rose und Sandelholz eine kompetente, angenehm medizinische Note bekommt.“ Volltreffer! 


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© Kerstin Brockmann
Quelle: Vital, Ausgabe 01/2010