2000er
2000er
Mit Beginn des Millenniums tauchten die Forscher verstärkt in die Weltmeere und ins Pflanzenreich ab, weil sie ahnten, dass dort noch viele Beauty-Stars im Dornröschenschlaf liegen. Bis heute sind von den geschätzten 250 000 Pflanzen- und Algenarten auf der Erde weniger als 10 000 chemisch vollständig entschlüsselt. Phytohormone aus Soja, Rotklee und Yamswurzel starteten vor knapp zehn Jahren ihre Karriere als Faltenkiller. Fast täglich kommen neue Beauty- Talente dazu, die in Pflanzen biologische Abläufe wie Stoffwechsel-, Wachstums- und Reparaturprozesse steuern und genau diese Aufgaben in der Hautzelle unterstützen sollen.
Ein weites Feld für Forscher sind die aromatischen Verbindungen, die sogenannten Polyphenole in Pflanzenextrakten: Sie hemmen z. B. Schlüsselenzyme bei Entzündungen und allergischen Reaktionen. Davon profitiert besonders empfindliche, zu Neurodermitis oder Schuppenflechte neigende Haut. Interessant ist auch das aus Weintrauben gewonnene Resveratrol, das die Lebensdauer der Zellen verlängern kann. Als Hightech-Moleküle sorgen Peptide – spezielle Eiweißverbindungen – für Furore. Sie bestehen aus Aminosäuren und einige von ihnen kurbeln den Kollagenaufbau an, andere sollen die Übertragung von Nervenimpulsen verhindern: Der Muskel entspannt sich, die Haut darüber glättet sich – wenigstens für ein paar Stunden.
Und dann gibt es noch Peptide mit hormonähnlicher Wirkung, z. B. die Cytokine, die die Zellfunktionen aktivieren, den Lebenszyklus von kollagenen und elastischen Fasern verlängern. Ganz neu ist ein Peptid, das ein Signal an eingeschlafene Hautstammzellen sendet und damit die Produktion von frischen Zellen anregt. Das mag besonders die reife Haut. Sie rückt jetzt in den Mittelpunkt, weil die Yuppies aus den 80ern heute „50plus“ sind und einiges dafür tun, um ihre Falten zu glätten. Ganz neue Methoden wie die Nanotechnologie sollen dafür sorgen, dass Wirkstoffe schneller und direkter an den Wirkort in der Haut gelangen.
Der Trend hin zu Naturkosmetik ist sicherlich auch durch die Zunahme von Allergien infolge wachsender Schadstoffbelastung zu erklären: 5 bis 10 Prozent der rund 30 Millionen Allergiker in Deutschland reagieren auf bestimmte Inhaltsstoffe, insbesondere auf synthetische Farbund Konservierungsstoffe. Der Bundesverband Deutscher Industrie- und Handelsunternehmen (BDIH) zeichnet seit Januar 2001 Naturkosmetik-Produkte mit dem BDIH-Prüfsiegel aus, die bestimmte ökologische und soziale Standards erfüllen. Die Sehnsucht nach Natürlichkeit steigt und immer mehr „grüne“ Produktlinien erscheinen in den Regalen. Gleichzeitig wachsen die Ansprüche an die Wirksamkeit von Kosmetik weiter. Und deshalb ist die Suche nach ultimativen Wirkstoffen noch lange nicht zu Ende.
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Susanne Faust, Carolin Lockstein
Quelle: Vital, Ausgabe 04/2009





