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Haustiere Katzen machen glücklich

Mensch und Katze fühlen sich zusammen wohl. Warum das so ist, untersuchen Psychologen. Dass es so ist, bestätigen Vitalmitarbeiterin Stefanie Theile - und ihre drei Katzen. 

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Dieser Artikel soll eigentlich nicht geschrieben werden. Tobi will das nicht. Tobi ist meine zehnjährige grau-weiße Katze. Sobald ich mich an den Schreibtisch setze, kommt sie angelaufen, mauzt zu meinen Füssen, springt hoch und quetscht sich mit ihrem pummeligen Popo zwischen Tischkante und Laptop, dreht sich ein, den Kopf zwischen die Hinterfüsse: Schmusen bitte! Ich kann nicht tippen mit einer dicken Fellrolle als Unterarmstütze. Kleine Pause, bisschen streicheln, schnurren. Tobi und ich sind ein Musterbeispiel für die Wohlfühlbeziehung zwischen Katz und Mensch: Tobi stimmt mich froh. Tobi sorgt dafür, dass ich mich immer wieder entspanne. Tobi verlangt mir aber auch Aufmerksamkeit ab. Das sind die drei wesentlichen Bestandteile einer geglückten Mensch-Tier-Beziehung.

 

Positiver Einfluss durch Katzen
So jedenfalls sieht es die Psychologin Dr. Anja Beetz: „Tiere machen uns glücklich.“ Das Interesse an Natur und Vierbeinern sei dem Menschen angeboren, so Dr. Beetz. Da wir heutzutage aber immer weniger Kontakt zur Natur haben, suchen und finden wir ihn bei den Tieren. „Das hat einen beruhigenden Effekt“, so Dr. Beetz, selbst Hundebesitzerin. Diesen positiven Einfluss der Katze sieht auch die Biologin und Tierpsychologin Birgit Rödder: „Das Ruhebedürfnis der Katze, ihr langwieriges Putzverhalten, das Schnurren, entspannen den Menschen, zwingen ihn innezuhalten.“

Gerade für nervöse Zeitgenossen, für Menschen, die sich der Schnelligkeit unseres Alltags nur schwer entziehen können, die getrieben sind von Handy, Apps und den Trends, sind Katzen die idealen Hausbewohner. Sie sagen uns immer wieder: Nun komm mal runter! Birgit Rödder vergleicht das Verhältnis zwischen Mensch und Tier mit der Eltern-Kind-Beziehung. Es ist geprägt von Verantwortung übernehmen, von sich kümmern und Aufmerksamkeit schenken. Egal ob es ums Streicheln oder Füttern geht. Mit einem wesentlichen Unterschied: Zwischen Mensch und Tier kommt es nur selten zu Machtkämpfen.

Dr. Anja Beetz weiß, warum: „Mit Haustieren kann man sich nicht sprachlich auseinandersetzen. Bei Katzen machen Argumente keinen Sinn.“ Deshalb sind wir zwar sauer über einen umgestoßenen Milchtopf, meckern auch und schimpfen die Katze aus, bis sie sich mit scheinbar schlechtem Gewissen davonschleicht. Aber kurze Zeit später muss alles vergessen sein. „Lass uns darüber reden!“ – das klappt nicht mit Mieze.

 

Katzen helfen bei Problembewältigung
Und nicht nur bei diesen Mini-Ärgernissen zeigt uns die Katze, dass es Schlimmeres gibt als einen Milchsee auf dem Tisch. Katzen sind auch bei ernsten Problemen ein guter Katalysator. Der Psychologe Professor Dr. Reinhold Bergler, Experte in Sachen Katze-Mensch-Beziehung, fand mit einer Studie unter 150 Personen heraus, dass Katzenhalter in harten Krisen wie etwa Arbeitslosigkeit oder dem Verlust des Partners weniger psychotherapeutische Hilfe brauchen und besser mit der Problembewältigung klarkommen als Menschen ohne schnurrenden Beistand. Warum? Katzen sind einfach da. Wer ein Problem hat, kann es ihnen mitteilen, sich alles von der Seele reden. Sich aber auch durch Spielen mit ihnen ablenken und auf freundlichere Gedanken bringen lassen.

Nach Professor Bergler würden Nicht-Katzenhalter eher verdrängen, während Katzenfreunde sich aktiv um eine Krisenbewältigung kümmern würden. Katzen vermitteln durch ihre Anwesenheit Trost, weil sich der Mensch nicht alleingelassen fühlt. Die Katze dient durch ihre intensive Zuwendung als Hilfe zur Selbsthilfe. „Die Bewältigung einer Krisensituation ist primär und entscheidend von der körperlichen Anwesenheit eines Lebewesens und von dem Erleben einer sympathischen Zuwendung ohne Wenn und Aber abhängig“, fasst Bergler das Ergebnis seiner Studie zusammen. Und noch ein angenehmer Nebeneffekt kommt Katzenhaltern zugute: Sie nehmen im Krisenfall weniger Beruhigungsmittel als Menschen ohne Haustiere.

 

Streicheln, Kraulen und Schnurren
Ja, so ist es, bestätigen meine Katzen; außer Tobi habe ich noch die vierfarbig gescheckte Glückskatze Grete, 11, und die sechsjährige Fritzi, weißer Bauch, getigerte Decke. Nach einer Trennung wollte ich nicht gern allein zu Hause sitzen, ging viel aus. Bis ich mir bewusst wurde, dass die drei ja immer auf mich warteten, wenn ich heimkam, mich begrüssten und sich freuten – und sei es nur, weil ich die Dose öffnete. Kurzum: Ich war ja gar nicht allein.
Dr. Anja Beetz sieht noch einen weiteren Grund für das Bedürfnis, ein Haustier zu haben: „Unser Leben ist stark reglementiert. Auch der Körperkontakt.“ Der bleibt der Familie vorbehalten, bei Freunden und Kollegen vielleicht ein Schulterklopfen. Bei Katzen sieht das ganz anders aus. Wenn sie einem um die Beine streichen, wir sie kraulen, die Nase in ihr Fell schieben und sie schnurren, gehört das zum ganz normalen Wohlfühl-Alltag.