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Stress mit dem Essen Nahrungsmittelunverträglichkeit oder Intoleranz?

Fast jeder zweite glaubt, auf ein oder mehrere Lebensmittel allergisch zu reagieren. Dabei handelt es sich in den meisten Fällen lediglich um eine Intolerant. Wir erklären, wo der Unterschied liegt.
Nahrungsmittel

Das weiß heute jedes Kind: Obst, Gemüse, Milchprodukte und Vollkornbrot sind gesund. Fakt ist aber auch, dass viele Menschen davon Beschwerden bekommen. Sie reichen von Schwellungen im Mund, Halsweh, Quaddeln am ganzen Körper, Blutdruckabfall bis zu Bauchschmerzen und Durchfall. Die Symptome können einzeln oder gleichzeitig auftreten. Der Grund ist eine Nahrungsmittelallergie oder -intoleranz. Die Beschwerden können sich ähneln, aber die Ursachen sind, medizinisch gesehen, ganz verschieden.

 

Allergien – das Immunsystem reagiert falsch

„Die Nahrungsmittelallergie wird durch eine Überreaktion des Immunsystems verursacht“, erklärt Prof. Dr. Ludger Klimek, Leiter des Zentrums für Rhinologie und Allergologie in Wiesbaden. „Es stuft harmlose Substanzen in den

68%

der Südeuropäer haben eine Laktoseintoleranz, im Norden sind es fünf Prozent
 

Speisen, wie z.B. Eiweiß, als Feinde ein und bildet zu deren Bekämpfung größere Mengen spezieller Antikörper. Sie sind gegen körperfremde Eiweißstoffe gerichtet und lösen im Körper allergische Entzündungen aus. Dabei wird Histamin freigesetzt, das die bekannten Symptome verursacht.“ Die Reaktion kann innerhalb von Sekunden einsetzen. „Die eiweißbedingte Nahrungsmittelallergie ist die häufigste Form. Davon betroffen sind circa sechs Prozent der Kinder und drei Prozent der Erwachsenen“, so Prof. Klimek.
Während bei Kleinkindern einzelne Nahrungsmittel wie Kuhmilch, Hühnerei oder Erdnüsse eine Allergie auslösen, verhält es sich bei Erwachenen anders. Hier liegt meist eine Kreuzallergie zwischen Pollen und bestimmten Obst-

80%
der Kleinkinder mit einer Nahrungsmittelallergie verlieren diese im Schulalter wieder

und Gemüsesorten vor. Wer z. B. von Birkenpollen Heuschnupfen bekommt, ist oft auch gegen Pfirsiche allergisch. Bei starken Reaktionen wie Atemnot oder Kreislaufkollaps hilft nur, das betreffende Lebensmittel wegzulassen. In leichteren Fällen kann der Arzt Antihistaminika oder Kortison verschreiben.

 

Nahrungsmittelintoleranzen haben andere Ursachen

Schuld an den Unverträglichkeiten ist nicht das Immunsystem, sondern eine Stoffwechselstörung. Das gilt z. B. bei Histamin, Milchzucker und Fruktose. Histamin entsteht bei der Reifung von Lebensmitteln. Es wird im Darm von dem Enzym Diaminoxidase (DAO) abgebaut. Mangelt es am DAO, reichert sich Histamin an und führt zu Ausschlag und Durchfall. Auch der Laktoseintoleranz liegt ein Enzymmangel im Dünndarm zu Grunde. Dadurch gelangt der Milchzucker unverdaut in den Dickdarm, vergärt und verursacht Koliken und Durchfall. Im Akutfall gibt’s für beide Intoleranzen Tabletten, die die fehlenden Enzyme ersetzen. Bei der Fruktoseintoleranz ist die Aufnahme des Erle Fruchtzuckers gestört, es kommt zu Blähungen und Krämpfen. Bei Zöliakie verträgt der Körper das Klebereiweiß Gluten nicht. Die Folge ist eine Entzündung im Dünndarm. Patienten müssen Gluten strikt meiden.


BUCHTIPPGenussvoll leben trotz Nahrungsmittel-Intoleranzen“
von Dr. med. Maximilian Ledochowski, 239 Seiten, Goldmann Verlag, 8,99 Euro
 

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